Kurhotel Zippendorf
(August 2009)

Der Abend ist drückend-schwül, die feuchte Luft scheint einen Teil der Geräusche zu verschlucken. Keine Bewegung auf dem nahen Schweriner See, die Menschen liegen noch am Strand und geniessen den Sommerabend. Nichts deutet darauf hin, dass nur wenig später und nicht weit entfernt mehrere Personen vom Blitz getroffen werden.
Bereits von aussen sind die kaputten Decken und Böden gut zu erkennen. Daher war meine Erwartungshaltung beim Betreten schon deutlich eingeschränkt. Zu Recht. Innen bietet sich ein trostloses Bild: nahezu jede Wand vollgeschmiert, von der früheren Einrichtung nichts mehr vorhanden, die Stuckarbeiten an der Decke durch den fortdauernden Verfall schon stark geschädigt.
In die herrschende Ruhe bricht mit einem Mal eine lärmige Gruppe Jugendlicher ein, die - für meine Begriffe völlig bar jeder Vernunft - eine halsbrecherische Kletteraktion bis in das Dachgebälk veranstaltet. Insgeheim sehe ich in jeder Sekunde einen von ihnen abstürzen und die maroden Böden durchschlagen. Zum Glück passiert nichts in dieser Richtung - aber das ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Durch die leeren Fensterhöhlen hallen Ihre ausgelassenen Rufe beim Verlassen des Gebäudes noch lange nach.

Das ehemalige Hotel blickt auf eine lange Geschichte zurück. 1910 als Kurhaus errichtet, war es schon bald Opfer einer erlahmenden touristischen Entwicklung. In Teilen wurde es während des ersten Weltkriegs als Artilleriedepot genutzt und schließlich 1919 verkauft.
Für die Folgezeit werden die Informationen allerdings rar. Zur Zeit der DDR wurde es zu einem Clubhaus eines lokalen Sportvereins. Anwohnerinnen berichteten mir, dass hier einmal Boxer trainierten, woanders war zu lesen, dass hier Spitzensportler untergebracht waren.
Wie auch immer. Nach 1990 wurden jedenfalls noch Sanierungsmaßnahmen an Dach und Heizung vorgenommen, da man sich dadurch einen höheren Verkaufspreis versprach. Die Besitzer scheinen seitdem gewechselt zu haben, aber statt einer Grundsanierung und Neunutzung ließ man das Gebäude weiter verfallen.
Angeblich wurde es kurz vor meinem Besuch für einen Millionenbetrag an einen neuen Investor verkauft, der inzwischen einen Zaun zur Sicherung hat aufstellen lassen.

 

Vorderseite#gallery 782d341f-a6c5-456e-8b02-786afe83cac9 Seeseite#gallery ebd66522-6532-4d8f-ba71-a9f76705dadc #gallery 0d09b15d-35bb-475e-b067-f2b980de4bcd #gallery 4a046009-ebf1-4310-a352-11b5e493a951 Schäden im Stuck#gallery e40e6cf5-06e5-4aa5-8a04-456f6098162a
Dekoration aus verschiedenen Zeiten#gallery 786c4e76-4238-442e-a07e-848f389d42aa Durchblick#gallery 515037f1-cf21-49eb-abbd-6769ee414808 Aufgang#gallery 18753536-0030-4526-9e43-c9f4faba12b3 instabile Böden#gallery de2b3f07-6255-4164-9658-936bb03aa353 Treppenhaus#gallery 879a5840-f42a-4b0e-aaa3-fb519325acc1
1.Etage#gallery 28d0619d-b4ab-4297-9056-67eabc7c6550 Balkon#gallery 2d7e2bb9-fafa-4ba6-a993-b34db73beccd #gallery 5f9bd02d-941e-4bc5-a78a-8cf8f0aa19cf #gallery 3f6b881b-97c0-4a21-8347-58f5205528dc

 

Historische Ansicht
Kletteraktion