Miniera del Siele
(Oktober 2008)

Irgendwie war ich schon richtig - aber trotzdem beschlichen mich ungute Gefühle.
Es war Oktober, definitiv keine Touristenzeit, und auf den Landstrassen rund um den Monte Amiata war alles andere als viel los. Und nun steckte ich irgendwo im Nirgendwo - ringsherum nur Wald und kein Ausblick auf das, was vor mir lag. Dabei hatte ich doch nur den kleinen Waldweg genommen, der nach einer Beschreibung im Netz zur Mine führen sollte.
Immer wieder hieß es anhalten und den Weg abschätzen und sich dann dank Offroadtauglichkeit des Wagens eine Route über den vom Wasser teilweise weggespülten Schotterweg zu suchen. Eigentlich wollte ich ja lieber drehen und umkehren. Aber dazu war kein Platz und im Rückwärtsgang wäre ich diesen Weg bergauf auch nicht weit gekommen. Also weiter vorwärts, eine andere Alternative gab es nicht.
Dann sprangen plötzlich zwei Jagdhunde aus dem Unterholz und verschwanden ebenso plötzlich, wie sie gekommen waren. Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete sich schließlich der Wald im Tal und ich konnte das Minengelände vor mir sehen. Und damit nicht genug: außerdem mündete hier eine komfortable Schotterstrasse mit Wegweisern zur Mine. Soviel zu Routenbeschreibungen im Netz ...

Vorbei an einem alten Stollen, in dem noch alte Holzleitern standen, ging es dann erst einmal zu einem rotgefärbten Verwaltungsbau, in dem sich auch Waschräume befanden. Weiter hinten im Wald lagen weitere Gebäude, teilweise noch mit sehr schönen gekachelten Böden. Aber ansonsten herrschte überall Leere vor: ausser ein paar alten Turnschuhen waren keine persönlichen Dinge zu finden, Büros und Werkräume waren kaum voneinander zu unterscheiden.

In der Mine wurde mehr als hundert Jahre lang Zinnober (Cinnabarit) gefördert. Zinnober ist ein rötliches Mineral, das aus den Grundbausteinen Quecksilber und Schwefel besteht. Es entsteht hydrothermal in der Nähe von Vulkanen - von denen es hier in im Gebiet zwischen Südtoskana und Latium ja eine ganze Reihe gibt.

Im Jahre 1841 wurden nach Regenfällen 40 Pfund reinen Zinnobers gefunden. Das Material wurde an einen Apotheker in Pitigliano verkauft, über den ein reicher Kaufmann von dem Fund erfuhr. 1846 erwarb er die Schürfrechte, gründete im Dezember eine Firma und begann 1847 mit dem Abbau.
1848 begann man mit der Errichtung von Anlagen zur Quecksilber-Schmelze, die 1849 startete. Schon einige Jahre später rentierte sich dies nicht mehr: der Markt ging ebenso zurück wie die Förderung. 1862 kam es nach personellen Wechseln in der Leitung schließlich zum Konkurs. Erst nach Jahren wurde die Produktion unter neuen Besitzern wieder aufgenommen.

Zwischen 1870 und 1890 erreichte die Produktion einen hohen Stand, nachdem man zuvor eine Ader mit hohem Quecksilbergehalt gefunden hatte (bis zu 38%). 1907 erfolgte die Elektrifizierung und die Ablösung von Dampfmaschinen.
Während des zweiten Weltkriegs kam es zu mehrjährigen Produktionsstörungen, aber bereits 1946 lief der Betrieb wieder rund. In den 1960'er-Jahren wurden dann noch einmal umfangreiche Modernisierungen vorgenommen.
Anfang der 70'er-Jahre geriet die Mine ins Straucheln, 1973 wurden 350 Arbeiter entlassen, das endgültige Aus kam schließlich Ende 1974. Einer anderen Quelle zur Folge ging unter anderen Besitzern die Gewinnung von Schwefelwasserstoff noch bis zum Jahr 1981 weiter.
Das mit Quecksilber kontaminierte Gelände wurde inzwischen abgetragen, ebenso wurden einige Gebäude abgerissen. Es ist offensichtlich geplant, das Minengelände als industriearchäologischen Standort touristisch aufzuarbeiten.

Weiterführende Links:

Museo delle Miniere di Mercurio del Monte Amiata
Historische Aufnahmen
Inspektion zur Wiedereröffnung von Stollen Emilia zur touristischen Begehung (Juni 2008 / PDF-Dokument)
Zinnober

 

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