VEB Elguwa Leipzig und das Haus der Kultur
(Mai 2010)

Gut hundert Jahre war diese Fabrik in Betrieb: 1879 von Richard Flügel gegründet, lautete 1990 der letzte Firmennamen Elguwa Leipzig GmbH. Dazwischen spielte sich ein industrielles Leben inmitten allen politischen Hin und Hers ab, das sich auch in zahlreichen Umbennungen wiederspiegelte. Beispiele gefällig?

1882 Flügel & Polter KG
1937 ff. Ries-Gruppe
1947 Leipziger Gummiwarenfabriken
1950 Angliederung des VEB Vulkan Gummiwerk Leipzig
1968 VEB Elguwa Leipzig
1990 Elguwa Leipzig GmbH

Zur Zeit der Nazi-Herrschaft vergrößerte sich der 120-Mann-Betrieb um das 9-fache - allerdings auf Kosten zahlreicher Zwangsarbeiter. Später - zu Zeiten der DDR - florierte die Produktion dank einer Monopolstellung zur Herstellung der Sitzpolster für den Trabant. Und dann kamen nach der Wende die Abwicklung und das "Aus" ...

Es ist nicht unüblich im Osten alte Fabriken zu finden, denen ein Wohnhaus oder eine Fabrikanten-Villa angegliedert ist. Hier ist es nicht anders. Das eigentliche Betriebsgelände der VEB Elguwa Gummiwaren ist heute ein ausgeschlachteter Torso, verfüllt mit Müll und Unrat. Meine Lust, hier zu fotografieren, hielt sich stark in Grenzen. Durchschnittliche Architektur, ein paar von Metalldieben verschont gebliebene Tanks - nein, das hier ist kein El Dorado für Fotografen.

Ein wenig interessanter war da schon das leer stehende Wohngebäude, welches früher als Kulturhaus verwendet wurde. Unzählige Filmstreifen liegen in Haufen auf dem Boden herum, offenbar Reste alter Wild-West-Streifen aus DDR-Zeiten. Und plötzlich trifft mich dann doch ein kleiner Stich ins Herz, als ich ein Foto erblicke, aus dem mich eine längst verflossene Liebe anzublicken scheint.
Nach kurzem Nachdenken aber wird klar, dass es nur eine Veronika Ferres mit Kurzhaarschnitt ist, deren Fotos hier herumliegen. Vor nicht allzu langer Zeit war Leipzig einer der Drehorte zum Film "Die Frau vom Checkpoint Charlie", aus dem offenbar dieses Szenenfoto stammt. Wie es hierher kommt, ist mir schleierhaft - die alten Filmstreifen deuten darauf hin, dass es schon einige Jahre länger her ist, dass hier jemand in kultureller Mission unterwegs war. Und als Drehort klann ich mir das Kulturhaus irgendwie nicht recht vorstellen. Wieder so eine kleine Geschichte am Rande, für die ich gerne eine Erklärung hätte ...

Weiterführende Links:

Die Frau vom Checkpoint Charlie
Die Dreharbeiten in Leipzig (Robotron)

Nachtrag: Inzwischen habe ich den Film gesehen und den Drehort wiedererkannt. Die grüne Dachgeschosswohnung ist im Film die vollgestopfte Behausung des Fluchthelfers "Marek", ebenso hat das Treppenhaus einen Kurzauftritt in den ersten Filmminuten.

 

Fabrikgelände#gallery 72bf16bd-f812-4000-b2cf-3329640668b2 #gallery d0cd9f90-03bc-42fd-9188-403950376b53 #gallery 992bf777-6463-49ba-b926-142a94fda352 Blick Richtung Haus der Kultur#gallery 85403fbc-fc31-4df0-abf0-4e5c6747eefe #gallery 2419e2d2-d467-43c3-a076-db160a60a5dd
Veronika#gallery bd47f068-120d-4bd1-a387-8a144de4cc18 Filmreste#gallery ffca9869-74e9-4c9f-91a5-2910494bc447 Ost-Indianer#gallery d4460d0d-0941-4a2e-a97c-4aab179c478b Tribüne von Dez. 1987#gallery 4b84cea7-586f-4067-bb39-bb50e6ae666d Wandschrank#gallery ea39ac08-69c2-4fe4-a844-25577d6873bc
Blümchentapete#gallery 9bbed02b-cd94-49b1-8d47-d974a5a2d61a kulinarische Tapete#gallery 47d7abdc-e553-4232-97e4-572c9e03ef5f Heizungsventil#gallery 93a0d734-42a7-4978-86f6-a065c82faddb Heizungsrippen#gallery 38bcbbf6-9f91-44bb-a121-e2954c3281ed Klappe am Kohlenherd#gallery b7d8188d-2e41-433a-819f-d39cd272a574
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