Etzweiler - das sterbende Dorf
(August 2004)

Nein, dieser Ort ist nicht mystisch - er ist traurig, nicht mehr und nicht weniger. In Etzweiler steht noch ein gutes Dutzend Häuser, wie viele bereits zerstört sind, kann ich nicht beurteilen.
Es gibt hier keine Sonntagsruhe. Autos fahren ständig durch den Ort, Radfahrer passieren auf ihrem Sonntagsausflug die leeren Häuser. Aber: sind diese Häuser wirklich leer? Nein, in drei Häusern leben noch immer Menschen, die den sich nähernden Schaufelradbaggern des Tagebaus Hambach trotzen.
Hinter einer hölzernen Hoftür höre ich die knarzige Stimme einer alten Frau, die gerade jemanden etwas aus ihrem früheren Leben erzählt. An anderer Stelle umkreist mich ein kläffender und knurrender Hund, bis sein Frauchen erscheint und ihn zurückruft. "Hunde sind hier notwendig", erklärt sie. Und wieder ein Stück weiter verläßt eine alte Frau ihren Hof um ein Stück auf einem Acker spazieren zu gehen. Hinfort vom Ort, von den kaputtten Häusern ihrer ehemaligen Nachbarn.

Manche der Häuser stehen offen. Sie sind leergeräumt und mit Müll, sogar mit Sondermüll gefüllt. Hier scheint eine Grauzone zu existieren, in der jeder meint machen zu können, was ihm gefällt. Ohne staatliche Kontrolle. An einer Landstraße, die durch den Ort führt, fehlen mit einem Mal hundete von Steinplatten auf dem Fahrradweg - offensichtlich hat sich da jemand selbst bedient. Anarchie ist es, die nun den kleinen, ehedem bürgerlichen Ort erfaßt hat. Verständlich, dass sich die verbliebenen Einwohner mit Hunden zu schützen versuchen.
Die Kirche steht nicht mehr. Nur ihre Fundamente wurden im Dorf gelassen. Daneben ein ummauertes Areal mit mehreren kleineren rechteckigen Gruben. Vermutlich nicht der ehemalige Friedhof, dessen Tote nun woanders ruhen, sondern lediglich die Überbleibsel eines Spielplatzes. Trotzdem - ich überlege, was mögen nur die Lebenden fühlen, wenn schon die Toten gegangen sind?

Weiterführende Links:
Arbeiterfotografie: Verheizte Heimat

 

 

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Ausblick#gallery da068c04-beeb-48cd-8396-774c92254b7c Horst#gallery 713228a9-6982-4675-82a3-522843ac0ec7 Bauernhof#gallery 5567e00e-8801-4929-96ca-e9c7671e0057 Durchblick#gallery 5206db64-efd8-4f85-a844-a91c6fe7f3a8 von 1898#gallery 295f2191-6186-4591-bdcd-d3b69b251c59
Schreinerarbeiten#gallery e8279631-e8e2-4d43-8932-95a425c8f17d Türen#gallery 7e517350-ab2f-46c7-af5b-7e473f3e76c7 kein Friedhof - es war der Spielplatz#gallery 40665ec5-4ed1-486e-a276-471476cb5913 Blau, Gelb und Rot#gallery c1d6b737-385d-4071-a936-a53a3f2d2155 Wolkenlandschaft#gallery 3819e318-18b2-4520-9478-99ed175f9c21
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