Ospedale Neuropsichiatrico Villa Sbertoli
(März 2008)

Es ist ein dunkler, regenverhangener Tag. Immer wieder prasseln dicke Schauer herab und drücken auf die Stimmung. Vielleicht der richtige Moment, um dieses Gebäude zu besuchen. Kaum drinnen steht man in einem Raum, der scheinbar bunte Kinderzeichnungen an den Wänden zeigt. Aber irgendwas ist merkwürdig. So hoch, wie die Zeichnungen an den Wänden angebracht sind, kommt kein Kind. Es müßen die Bilder von Erwachsenen sein. Bilder, die immer wieder bärtige Männer mit Gewehren, Verletzte und Waffen zeigen. Bewältigung eines Traumas oder kanalisierte Ausbrüche von Gewaltphantasien?
Dies hier ist eine Neuropsychiatrie. Ein Bau mit komplett vergitterten Fenstern - eine geschlossene Anstalt also. Da bekommen die Zeichnungen direkt eine eine stärkere Bedeutung.
Im großen Saal mit seinen Wand- und Deckengemälden steht noch immer ein Klavier. Fellini hätte hier einst drehen können, so ungewöhnlich erscheint die Kulisse. Ich stelle mir eine dicke Anstaltsleiterin am Klavier vor, abends, die Patienten ringsherum zum Zuhören verurteilt. Bilder des Wahnsinns. Ich schüttel sie ab, gehe weiter. Und dann finde ich in einem Raum etwas, was mich erschreckt und ich nicht erklären kann. Eine Art Haube für den Kopf, mit seitlichen Durchgriffen auf Ohrhöhe. Der Wahnsinn, er ist noch immer hier ...

Die Klinik ist benannt nach dem vermögenden Signore Sbertoli, dem einst diese große Villa aus der Mitte des 19 Jahrhunderts gehörte. Er versuchte hier sein Leben lang seinen geisteskranken Sohn zu heilen. Bevor er starb, vermachte er sein Vermögen der Medizin und Wissenschaft, um hier weiter an Behandlungsmethoden zu forschen. Die Villa wurde so zu einer psychiatrischen Anstalt.
Während des italienischen Faschismus wurden hier politische Gefangene untergebracht, 56 von ihnen konnten durch eine Befreiungsaktion des Untergrundkämpfers und Anarchisten Silvano Fedi entkommen.
Heute ist das Gebäude eingerahmt in einen Ring von weiteren noch universitär genutzten Gebäuden. "Ville Sbertoli" steht dabei nicht für das Hauptgebäude, sondern für den gesamten Komplex.

 

 

Villa und Gewächshaus gesicherte Fenster Im Park Ausblick über die Stadt Bilder der Gewalt
Der Saal ohne Ton (I) ohne Ton (I) Bier und Malerei Wandgemälde I
Der Saal von oben Deckengemälde Wandgemälde II 1.Etage Heizungen
Hinter Gittern (I) Hinter Gittern (II) Die Treppe hinunter 2.Etage Toiletten mit Guckfenstern
Akte von 1968 Was einst geschah ... (I) Was einst geschah ... (II) Hirnströme Tunnel zum Nachbargebäude