Haus Fühlingen - das Anwesen hinter Gittern
(April 2007)

Ein Relikt, ein Überbleibsel ist es nur, was von Haus Fühlingen noch geblieben ist. Ein Haus, in dessen Geschichte es schon vor Jahrzehnten mehrere Tote gegeben haben soll. Und nun ist es wieder passiert. Ich bin hier am Nachmittag des Ostermontags und später werde ich mich fragen, ob ein Datum wie Karfreitag vielleicht bei jemandem einen tragischen Entschluß provoziert hat. Aber der Reihe nach...
Bevor ich den Bau betrete, verschaffe ich mir erst einen Überblick von aussen. Imposant wirkt die Front, die Rückseite hingegen ist ein trauriger Anblick. Wie große Wunden zerstören Mauerdurchbrüche die ehemals geschlossene Fassade, die Narben der bereits abgerissenen Reithalle und Stallungen hellen die Wände der Rückseite auf.
Im Keller finde ich Spuren von Drogenkonsum und die Wände in den oberen Etagen schreien mir Sätze entgegen, die wieder und wieder den Schmerz der Abhängigen beschreiben. Ein elender Ort. Hier fühle ich nichts erhabenes mehr, nur noch Zefall, Ohnmacht, Ausweglosigkeit.
Im Treppenhaus stehend und über einen Bildausschnitt nachdenkend kommt plötzlich eine schwarzgewandte Frau die Treppe herauf. Ein kurzer Dialog nur, der sich entwickelt: "Hallo." "Sie wissen, dass sie eigentlich nicht hier sein dürfen?" "Und sie?" "Mein Neffe hat sich hier erhängt." Ich bekomme einen Kloß im Hals, sehe die Blumen in ihrer Hand. Sie sucht die Stelle, an der es vermutlich passiert ist. Tage später lese ich in der Online-Ausgabe einer Tageszeitung, wie Kinder am Ostersamstag den Selbstmörder gefunden haben und eine großangelegte Aktion mit Rettungshubschrauber, Kranken- und Polizeiwagen anlief. Jedoch vergebens.
Mir gehen wieder die Sätze durch den Kopf, die an die Wände geschrieben waren. Ich denke, sie könnten auch ebensogut von ihm gestammt haben, der sich hier den falschen Ausweg gewählt hat.

Die genaue Geschichte von Haus Fühlingen ist allein mit den Mitteln des WWW nicht zu ermitteln. Nachdem ich alle Informationen, derer ich dort habhaft werden konnte, nebeneinander gelegt hatte, taten sich große Unstimmigkeiten auf. Was davon ist abgesichert und was spekulativ? Ich kann es nicht beurteilen und lege daher für die folgenden "Fakten" meine Hand nicht in's Feuer.
1884 kauft Eduard Freiherr von Oppenheim 186 Morgen Land und errichtet dort bis ca. 1888 Haus Fühlingen mitsamt Stallungen, einer Pferderennbahn und einer als Stahlkonstruktion realisierten Reithalle. Die übrige Fläche wird zur Futterproduktion genutzt. Es stellt sich heraus, dass der Boden ungeeignet zur Pferdezucht ist.
1907 werden Gestüt und Pferderennbahn verkauft.
1910 fällt die Pferderennbahn dem Kiesabbau zum Opfer, die Grundlage für den heutigen Fühlinger See wird geschaffen. Der übrige Teil des Gestüts wird agrarwirtschaftlich genutzt.
Eigentümer oder Pächter scheinen in den Folgejahren mehrfach gewechselt zu haben. Daten und Namen werden widersprüchlich.
1962/63 wurde das komplette Gelände von einer Erbengemeinschaft an die Stadt Köln verkauft.
1967 erfolgte der Abriß der inzwischen ungenutzten Seitenflügel und der Reithalle, Fenster und Türen der Seitenflügel wurden zugemauert.
Etwa bis zum Jahr 2000 wurde noch das Hauptgbäude bewohnt, danach efolgte der anhaltende Leerstand und Überlegungen zur Neunutzung.

Weiterführende Links:

Geschichtswerkstatt des Bürgerzentrums Chorweiler

 

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