Schloss Brühl / Pförten / Brody
(Oktober 2010)

Zwei geköpfte Portalfiguren säumen das Tor der Auffahrt zu Schloß Brühl. Zwischen den beiden sanierten Kavalierhäusern geht der Blick über den Vorplatz zu der großen Ruine, die von dem einst prächtigen Prunkbau übrig geblieben ist. Ein paar kitschige Steinskulpturen aktueller Massenproduktion versuchen so etwas wie höfischen Flair zu verbreiten. Sie scheitern damit aber grandios - spätestens wenn man vor den riesigen Atlanten Gottfried Knöfflers steht, die schon früher die Gäste an der Eingangspforte begrüssten und den Balkon darüber stützen, wird der Unterschied zwischen künstlerischem Anspruch und Massenproduktion deutlich.
Aus der Ferne mag es scheinen, dass sich das eine oder andere Schlupfloch auftut, über das man auch in das Innere des Gebäude kommt. Aber nach einer gründlichen Umrundung macht sich Enttäuschung breit - alles ist vermauert. Die Stadtverwaltung hat gründliche Arbeit geleistet, nachdem der Bürgermeister vor ein paar Jahren erst im nachhinein von Fetisch-Parties im Schloss erfuhr und wütend die Versiegelung anordnete.

Das Schloss blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Zwischen 1741 und 1749 wurde ein bestehender Bau unter Heinrich Graf von Brühl erweitert. Prunkvoll ging es damals zu, Gäste wurden oft nach Pförten eingeladen und nicht in die offizielle Residenzstadt Dresden. Nur wenige Jahre später (1758) wurde Schloss Brühl während des Siebenjährigen Krieges von Friedrich II. in einer späten Racheaktion u.a. wegen der verschmähten Liebe zu Gräfin Orzelska niedergebrannt. Es wurde später soweit hergerichtet, dass es etwa 100 Jahre lang als Scheune genutzt werden konnte. Erst in den 1920'er Jahren wurde es wieder restauriert - nur um 20 Jahre später am Ende des 2.Weltkriegs erneut zerstört zu werden.
Bis zu diesem Zeitpunkt soll der Keller das Versteck eines der teuersten Tafelservices gewesen sein: das sogenannte Schwanenservice aus 2200 Einzelteilen - jedes der noch erhaltenen 300 Teile davon mit einem heutigen Marktwert jenseits der 100.000 EUR. Ähnlich wie beim Bernsteinzimmer ranken sich auch hier die verschiedensten Gerüchte über seinen weiteren Verbleib.

Die erste Zerstörung des Schlosses
Brandenburger Landstreicher - historische Ansichten
Fotos vom Inneren des Gebäudes
Hotel und Restaurant Palac Brody