Mergelgruben - das Labyrinth unter der Erde
(Oktober 2006 - April 2007)

Weiß ich eigentlich wirklich was es heißt, von völliger Dunkelheit umgeben zu sein? Weiß ich, wie es ist, den Druck der Erde zu verspüren? Die Orientierung zu verlieren? Den Wunsch nach frischer Luft immer stärker werden zu verspüren?
Ja. Nun weiß ich es. Ich stehe in einem wahrhaften Labyrinth aus Gängen und fühle mich sehr, sehr klein. Dunkle Gänge auf allen Seiten, kein Blick reicht bis an ihr Ende, der Kegel der Lampen wird schon vorher geschluckt. Stille. Unendliche Stille. Wären meine Begleiter nicht, ich würde mich wohl lebendig begraben fühlen.
Hier haben einmal Menschen gearbeitet, geschuftet, ihr Leben riskiert. Nicht Gold und Silber war ihr Begehr, sondern Mergelgestein, aus dem draußen, im Licht der normalen Welt Häuser, Schlösser und Kirchen entstehen sollten.
Vor 2000 Jahren bereits begann der Abbau. Zuerst im Tagebau und dann ab dem 15. Jahrhundert auch untertage. Das Gangsystem im Süden der Niederlande umfaßt mehr als 1000 km Länge. Allein hier, in diesem Berg sind es mehr als 260 km, von denen gut 170 km auf die benachbarte, schon erheblich zerstörte Mine entfallen.

Fledermäuse haben hier ihr Winterquartier, aber auch Menschen zieht es immer wieder an diesen Ort. Hunderte abgebrannter Teelichter und leere Flaschen künden von den illegalen Parties, die hier regelmäßg stattfinden. Daneben gibt es aber auch eine eingeschworene Gemeinschaft von etwa 100 "Berglopern", die Abenteuer und Ruhe bei ausgedehnten unterirdischen Spaziergängen finden. Ihnen liegt am Erhalt der auch kulturhistorisch wichtigen Gänge. An vielen Stellen finden sich Zeichnungen aus den vergangenen Jahrhunderten. Bilder von Tod und Teufel, von Heirat und Arbeit, von Krieg und Militär.
Darum werden die verborgenen Zugänge zu den seit 1994 verschlossenen Minen nicht bekannt gegeben. Und dennoch, Unglücke passieren immer wieder. 1993 verschwanden zwei Jungen durch eine Fledermauspassage in einer Mine und wurden erst nach drei Wochen wieder gefunden. Und immer wiederkehrende Zusammenbrüche des Gesteins beendeten nicht nur das Leben mehrerer Arbeiter, sondern auch das Geschäft der meisten Champignon-Züchter, die in den letzten Jahrzehnten die Minen benutzten.

Mein Dank für die Einführung in dieses unterirdische Reich geht an Patrick.

Weiterführende Links:
Das "Making of"
Troglocaris
Stellvertretend für andere "Bergloper"-Websites mit durchaus berechtigten kritischen Bemerkungen
Gemeentegrot / Valkenburg
Als Beispiel für eine von mehreren touristisch genutzten Gruben

 

Hallenbereich Gang Trapezgang Schattenwesen fast draussen
Lichtspuren ehemalige Krypta Licht von draussen Amsterdam Amsterdam
Tempelanlage Der Drache Bergmännische Zeichnung Austieg im Westen Ausgang Lost Valley
Lost Valley Markus und Patrick Abstieg - oder besser Abrutsch Picknick untertage - nie schmeckten Hotdogs besser