Institute Jaspar - das Heim der vergessenen Kinder
(März 2007)

Mein Blick richtet sich auf den langen Korridor. Seitlich drängt sich in leuchtendem Rot einer der überaus zahlreichen Kästen für den Feuerwehrschlauch in mein Blickfeld. Vor mir auf dem Boden liegt ein dunkles Etwas. Ich schaue näher hin. Es ist ein Kinderschuh. Und es ist nicht der einzige, der in diesem Gebäude herumliegt. Es sieht manchmal aus, als wenn sie auf einer Flucht verloren gingen. Aber das ist natürlich nur reine Phantasie. Oder etwa doch nicht?
Ein Raum öffnet sich vor mir, kreisrund und mit Türen in allen Richtungen. Insgeheim nenne ich ihn den "Kreis-Saal". Geräusche drängen von irgendwoher durch das Gebäude an mein Ohr. Erst sehr viel später wird klar, wer die Verursacher dafür sind. Es sind jedenfalls nicht meine beiden Begleiter, die ebenfalls irgendwo durch das Haus streifen. Ich komme mir vor wie am Eingang zu einem Labyrinth. Welche Türe soll ich zuerst nehmen? Was ist dahinter? Da hilft nur eines: probieren und mit der nächsten beginnen.
Es geht von einem Korridor zum nächsten, die Stockwerke herauf und herunter, Raum für Raum wird erkundet. Weiter oben im Hauptgebäude liegt ein beißender Farbgeruch in der Luft. Frische Farbe ist nicht zu sehen, nur der Geruch reizt die Schleimhäute von Nase und Augen. Wir sind nicht die einzigen in diesem Haus, so viel ist klar. Wieder Geräusche, diesmal von unten. Niemand zu sehen.

Ein Versteckspiel scheint dies zu sein, so ähnlich wie früher, als sich die Kinder dabei amüsiert haben. Damals mochte ihr Lachen durch die Räume und Gänge geklungen haben, heute ist dies anders. Ich rufe in's Treppenhaus, doch eine Antwort bleibt aus. Der Wachdienst ist es mit Sicherheit nicht, der die Geräusche verursacht.
Und so betrachte ich weiter die Schultafeln in den Klassen, die bunten Kinderbilder an den Wänden, die Toiletten im Zwergenformat, die Schlafräume für Kinder und Personal. Was für ein Gewusel und Gewirbel hier einmal geherrscht haben mag? Umso beklemmender die Stille, die nun hier herrscht - und hin und wieder durch Poltern und Schleifgeräusche durchbrochen wird.
Über Funk verabreden wir uns schließlich unten in der Aula. Und endlich sehen wir auch die Verursacher von Farbgeruch und Lärm. Eine Jugendgang - sie hat uns ebenfalls bemerkt und rennt wie vom Leibhaftigen verfolgt davon. Ein schlechtes Gewissen scheint ziemlich geschwindigkeitssteigernd zu sein, schießt es mir durch den Kopf. Die vergessenen Kinder von Jaspar - manchmal kommen sie wohl wieder ...

Das Institute Jaspar wurde 1921 gegründet, um den ärmsten Kindern der Stadt eine Erziehung und Unterbringung zu bieten.
Die Jugendfürsorge beendete 1986 die Unterbringung in diesem Heim und steht auch heute noch privaten Trägerschaften skeptisch gegenüber.

 

Die Rückseite Strassenansicht Tor zum Hof Red box Schlange
Und noch ein Feuerlöscher ... Wo sind die Kinder hin? Kreis-Saal Ein Fenster für die Großen und die Kleinen Es grünt so grün
Umkleideraum Doppelzimmer Grünes Zimmer Begegnung mit den Unbekannten Keine Wasserfarben
Waschbatterie Fensterhebel Bogen Türwächter Küche
Aula In der Aula