Hotel Krummenweg - Stille über dem Schwimmbad
(Februar 2004 & Februar, Juni 2005)

"Menschen im Hotel" - nicht nur ein bekannter Filmtitel aus den 1930'ern, sondern auch eine Umschreibung meiner Vorstellungen, während ich durch diesen Hotelkomplex streifte. Drei Altbauten und ein Neubau, umgeben von einer massiven Mauer sind alles, was man von außen erkennt. Hinter der Mauer verbirgt sich jedoch eine terrassenartige Gartenanlage und ein altes Freischwimmbad. Mitten im Winter in einem leeren Becken zu stehen, aus dem bereits jahrealte Bäume herauswachsen, hinterläßt schon ein merkwürdiges Gefühl. Wer hat hier seine Bahnen gezogen, wer hat herumgeplanscht und -getobt? Ich dachte zurück an meine eigene Kindheit und die Tage im Freibad. Und ich sah mit einem Mal die Badegäste vor mir: die mondäne Frau, die sich auf einer Liege sonnte, deren rostiges Gestell heute noch in den Büschen steht. Der Jugendliche, der hier seine ersten Tauchversuche unternahm und dessen verlorene Schwimmflosse noch immer am Beckengrund liegt. Den herumstolzierenden, gebräunten Latino-Typen, die wilde Meute von Kindern im Planschbecken, den gerundeten Familienvater, der Zigarre rauchend im Schatten der Bäume sitzt und eine Zeitung liest. Oder das gestresste Personal, welches in einem angebauten Kiosk Eis und Kuchen verkauft.
Der Badelärm, den ich mir vorstellte, wurde jedoch wieder und wieder unterbrochen vom Knacken zerbrochener Äste, die ich bei meinem Besuch beiseite schieben mußte. Und dann blieb nur noch Stille.

Einer der Altbauten zeigt in seiner Fassade die Daten 1825 und 1888 - das erste Datum bezeichnet das Gründungsjahr der Brauerei und Destillerie Unterhösel, die 1886 zur Brauerei Krummenweg umbenannt wurde. Diese war einer der Hauptarbeitgeber der Gemeinde - bis sie Pfingsten 1917 einem Brand zum Opfer fiel, der die Restauration zerstörte. Brennerei und Brauerei mußten wegen Rohstoffmangel schließen. Das Grundstück der ehemaligen Gaststätte wurde verkauft und auf ihm das Hotel Krummenweg errichtet. Brennerei und Brauerei wechselten ebenfalls den Besitzer, der die Brauerei abreißen ließ. 1926 ging jedoch auch die Schnapsbrennerei Baily in Konkurs und das Gebäude ging nach einer Zwangsversteigerung im Jahr 1926 an die Besitzer des Hotels.
In den früher 70'er Jahren standen sogar Überlegungen an, das Hotel Krummenweg zu einem Casino umzubauen. Bis in die 80'er Jahre des 20.Jahrhunderts wurden hier Gäste beherbergt, danach dienten die Häuser noch zur Unterbringung von Asylbewerbern. Eine Diskothek und ein Palettenhandel haben ebenfalls Gebäudeteile genutzt.

Inzwischen ist die Brennerei abgebrannt und verfallen. Der Brand hat wohl den Anfang vom Ende markiert, dem auch die anderen Anlagen danach zum Opfer gefallen sind. Im Februar 2005 - ein Jahr nach meinen Aufnahmen - steht von dem alten Hotelgebäude nichts mehr. Lediglich der "alte" Neubau und die Brennerei-Ruine zeugen noch von der langen Geschichte dieses Ortes.

Abriss-Baustelle April 2011

 

Panorama von der Rückseite ausgebrannte Brennerei Brennerei im Abendlicht mit Resten des Bädertraktes Brennerei von der Strasse gesehen scharfe Ecke des Bädertraktes
zum Schwimmbad Herrenkabinen Küche, Kaffee, Kuchen, Eis Fassade des Bädertraktes Auf der Suche nach Dunkelheit
alte Reklametafel Brennerei mit Schwimmbecken großes Schwimmbecken kleines Becken Einstiegsleiter
Geländer Leiter Flosse im Laub Zimmer mit Aussicht Fenster in der Verwaltung
Küche Wendeltreppe Balkon im Abendlicht Rückseite Der alte Neubau