Tour de la Famenne et centre de sport
(Oktober 2011)

Die Treppe scheint kein Ende zu nehmen. Stufe um Stufe kämpfen wir uns durch die Dunkelheit nach oben, spiralförmig um den Aufzugsschacht im Inneren des Turmes. Der Lichtkegel der Taschenlampen erfasst nur die nächsten Meter. Der Blick nach unten bleibt glücklicherweise verwehrt - der Blick nach oben zeigt in 10 oder 15 Metern den nächsten Windungslauf der mitunter klapprigen Treppe. Nach unten wird es genauso weit sein ...
Oben angekommen ist erst mal ein kurzes Ausruhen angesagt, bevor die Aussicht aus 75m Höhe genossen werden kann.

Der "Tour de la Famenne" war einmal eine Touristenattraktion mit einer Blütezeit während der 80er Jahre - und ist inzwischen zu einem Zankapfel und Ärgernis verkommen. Gebaut wurde er zu Beginn der 1970'er Jahre, die Eröffnung war im Jahre 1973. Seine Spitze besteht aus drei Ebenen: die unterste auf 60m Höhe, darüber eine Cafeteria und auf der obersten Ebene befand sich ein Drehrestaurant.
Im Jahr 2006 wurde der Turm vom Besitzer zum Verkauf angeboten - fand jedoch keinen Interessenten. Ebenso wurde damals der Abriss geprüft und die Idee verworfen. Für die Wiederinbetriebnahme müssten erhebliche finanzielle Mittel aufgewendet werden. So gilt ein zentraler Aufzug heute als veraltet, es müsste ein neuer Panoramaaufzug installiert werden. Ein weiteres Problem ist das Vorhandensein von nur einer Treppe.
Der Abriss würde mehrere 100.000 EUR kosten, die Sanierungskosten liegen bei mindestens 500.000 EUR. Wahrscheinlich müsste zu dem Kaufpreis von 495.000 EUR jedoch wesentlich mehr investiert werden, die Schätzungen gehen von 4-5 Mio. EUR aus, um den Turm wieder zu einer zeitgemäßen Attraktion werden zu lassen.
Die Substanz der Verkleidung ist mittlerweile schlecht. Immer wieder lösen sich Bruchstücke der Platten und gefährden die Besucher des unten gelegenen Cafes und Autos auf der nahen Nationalstraße. Zur Sicherung wurden 2007 Netze angebracht, die eine Haltbarkeit von 5 Jahren besitzen. Im Januar 2012 läuft die Zeit für ihren Einsatz ebenso ab, wie die Versorgung mit Elektrizität. Spätestens dann muß eine Entscheidung getroffen werden - zumal die Stadt keine Erlaubnis für die erneute Anbringung von Netzen erteilen wird.
Der Besitzer - ein Niederländer mit Wohnsitz in Nicaragua - hatte anfänglich große Pläne zur Wiederbelebung des Turmes vorgestellt. Inzwischen reagiert er nicht mehr auf die Anschreiben der Behörden. Wundert das jemanden?