VEB Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb Halle
(Mai 2010)

Der Regen macht an diesem Vormittag einfach keine Pause. Ein matschig-rutschiger Hang, ein triefend nasses Gebüsch - und schon steht man inmitten illegal entsorgten Mülls auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes. Die große Halle vor mir verspricht einen trockenen Platz und kann dieses Versprechen nicht halten. Der ständige Blick durch den Kamerasucher lenkt von den warnenden Pfützen ab und im Nu sorgt das löchrige Dach für Regentreffer an Stellen, wo man sie bestimmt nicht haben will.
Die Stimmung ist drückend. Der Verfall, der Müll, das Wetter, der Zweck der Anlage - es fügt sich alles symbiotisch zusammen. Ich denke an das Leid der geschlachteten Tiere, ebenso an die Familien der Menschen, die hier einen Arbeitsplatz verloren haben. Durchweichte, schimmelnde Akten zeugen von der Rationalität früherer Geschäftsprozesse. Der Tod ist nun mal ein Geschäft.
Eigentlich sollte ich über den Regen zufrieden sein, passt er doch viel eher zu diesem Ort als strahlende Sonne. Und so blicke ich wieder durch den Sucher und ignoriere die dicken kalten Tropfen in meinem Nacken ...
Im Januar 1893 nahm der neugebaute Vieh- und Schlachthof in Halle seinen Betrieb auf. Bis dahin gab es über das Stadtgebiet verteilte Privatschlachtungen, Vieh wurde allerorts durch die Straßen getrieben. Dies fand nun ein Ende, der neue zentrale Schlachthof war stadtrandnah direkt an das Gleisnetz des benachbarten Bahnhofes angekoppelt.
Über das weitläufige Areal verteilen sich Hallen für Rinder, Schweine und Kleinvieh. In den dortigen Stallungen des Viehhofes hielt man die Tiere für den zweimal pro Woche stattfindenden Schlachtviehmarkt.
Die gründerzeitlichen Zweckbauten nahmen starke Anleihen bei der Architektur anderer Profan- und Sakralbauten. Der Wasserturm mit seinen Zinnen erinnert an einen romanischen Burgturm, die raumgreifenden Markthallen mit ihren Säulen besitzen Ähnlichkeit mit kirchlichen Basiliken. Dieser historisierende Stil (Neorenaissance) mit seinen typischen Rundbögen wird nur durchbrochen von schnörkellosen Erweiterungsbauten aus den 1930'er Jahren.
Inzwischen stehen die Gebäude seit Jahren leer, es kommt immer wieder zu Brandschäden durch Vandalismus. Schon wiederholt sollte der Komplex zwangsversteigert werden.

Weiterführender Link: Halleforum - Schlachthof

 

Treppe im Turm
Buchhaltung anno 1981 Aktenschrank keine Schweinehälften nach Polen Absatzleiter mit Hilfslinien Stallungsgebäude
Lebendviehannahme Stallung Stallung Stallung Blick zum Dach
Stallung Stallung Verwaltung Blick zum Wasserturm in der Verwaltung
in der Verwaltung in der Verwaltung totes Tier I totes Tier II Monitorwand
Verladung