Haus Wolfskuhlen - die blinden Augen eines Hauses
(Dezember 2004)

Ich umkreise das Haus wie eine Beute. Selten habe ich so viele Verbotsschilder an einem einzigen Gebäude gesehen. Notwendigkeit und Erfolg dieser Schilder scheinen aber in einem krassen Mißverhältnis zueinander zu stehen.
Viel erwartet habe ich eigentlich nicht - und so ist es auch. Die Ruine ist recht klein, das Dach fehlt, die oberste Etage ist abgetragen. Weit und breit ist niemand zu sehen - obwohl es sich hier um einen weit bekannten Jugendtreffpunkt handeln soll.
In das Untergeschoss kann man sehr leicht hineingelangen. Ganz entgegen meiner Art kann ich mich aber nicht zu einem Betreten durchringen. Die Taschenlampe ist nicht das Problem - sie liegt im Auto, das in der Nähe steht. Nein, es liegt mehr an der schlechten Bausubstanz der Ruine. Die Warnhinweise sind berechtigt: es sind nicht nur die oberen Etagen zusammengebrochen, sondern auch der Boden des Erdgeschosses hat bereits an einer Stelle nachgegeben und ist in den Keller gestürzt. Kein angenehmer Gedanke, hier bei Temperaturen um den Gefrierpunkt verschüttet zu werden. So bleibt es bei einem Ausspähen von aussen.
Im Garten hinter dem Schloß beschleicht mich ein merkwürdiges Gefühl des beobachtet werdens. Ich blicke mich um. Nein - da ist niemand. Aber das Gefühl bleibt. Ist das etwa der Beginn einer wundervollen Paranoia? Noch nicht einmal der beliebte Vergleich mit den Hausfenstern und Augen funktioniert hier - sind doch die meisten Fenster erblindet weil mit Brettern vernagelt.

Zuhause angekommen fange ich wieder an im WWW zu recherchieren, Fakten und Phantasien liefern sich offenbar ein ungleiches Rennen. Da ist die Rede von zwei ermordeten und im Garten vergrabenen Mädchen, von zwei weiteren bei satanischen Messen im Keller ermordeten Opfern, von jemandem, der eingemauert sein soll, einem Wolf mit glühenden Augen im Garten, Kinderstimmen, die nach einem Teddy rufen, und so weiter, und so fort ...
Das Anwesen scheint jedenfalls die Phantasie mächtig zu beflügeln. Davon wurde wohl auch jener Investor befallen, der das denkmalgeschützte Schloß vor einigen Jahren gekauft hat und mit Reihenhäusern garnieren wollte. Ein Wohnheim sollte wohl einmal daraus entstehen - geworden ist es aber nach der Insolvenz des Unternehmers nur eine von Bergschäden gezeichnete Bauruine, die nun schnell weiter verfällt. Überhöhte Vorstellungen vom Grundstückswert und Auflagen des Denkmalschutzes machen es offenbar unmöglich einen neuen Investor zu finden, der die Ruine wieder saniert und restauriert. Und so werden sich bald die handkantenbreiten Riße im Mauerwerk weiter vergrößern und das Ende des Hauses besiegeln.

Weiterführende Links:
Schloß Wolfskuhlen
Chronik des Hauses Wolfskuhlen & Diskussionsforum
 
Schloss Wolfskuhlen - Bilder und Infos

 

Die alte Zufahrt Gesamtansicht Von Bäumen umschlungen Die Sonne geht unter über Wolfskuhlen Zutritt verboten
leere und blinde Fenster Der alte Garten Gartentor Rotes Laub Heizungskeller
Waschmachinen im Keller Fenster im Gartenhaus Verdorrter Baum