Sanatorium Joseph Lemaire - ein Glashaus in Scherben
(August 2005)

Die Luft an diesem Tag ist heiß, aber ein leichter Wind macht sie erträglich. Die Anhöhe und der umgebende Wald tragen ihren Anteil dazu bei. So still, wie es heute ist, war es sonst nicht. Und damit meine ich nicht das Klirren hunderter Scheiben der großzügigen Verglasung, die hier mutwillig zerbrochen wurden, sondern das Husten der Kranken, die hier auf Genesung hofften.
Das Sanatorium ist eine ehemalige Heilstätte für Lungenerkrankungen - genauer: Tuberkulose. In den Anfangsjahren des vergangenen Jahrhunderts noch ein europaweites Problem, fand die TBC ihre Opfer in den Ballungszentren der Industrie. Das Sanatorium J.Lemaire war dazu gedacht, den Kranken dieser Region zur Heilung zu verhelfen. Nicht ohne Grund hat fast jeder Raum einen Balkon, gibt es Terrassen auf jeder Ebene - sogar auf dem Dach. Hier haben die Patienten gesessen, über den damals noch gepflegten Garten geblickt und gehofft. Nicht immer ging diese Hoffnung auf: Operationssaal und Labortisch im Untergeschoss künden vom Kampf um das Leben und dem Verlust desselbigen.
Seitdem sind viele Jahre vergangen, die Entwicklung von Antibiotika hat die TBC eingedämmt und viele ehemaligen Kliniken überflüssig gemacht, die in der Regel immer möglichst abseits der normalen Bebauung standen.

Das Sanatorium Joseph Lemaire steht nun schon seit 1987 leer - und diese Zeit sieht man ihm auch leider an. Die Verwüstungen durch Vandalismus sind beträchtlich und reichen von hunderten Graffittis bis zu den Spuren gelegter Brände. Daher verwundert es nicht, dass die Anlage nun wieder stärker kontrolliert wird.

Als Vorzeigemodell moderner Architektur für Krankenhäuser hat das Sanatorium im Jahr 1937 den Betrieb aufgenommen - damals entworfen von Maxime Brunfaut und konzipiert für 150 Patienten. Mit Beginn des zweiten Weltkriegs wurde die Bettenkapazität um mehr als die Hälfte aufgestockt. 1992 - 5 Jahre nach der Schließung - wurde das Gebäude als Denkmal eingestuft. Zwei Jahre später erfolgte der Verkauf an die Entwicklungsgesellschaft Herpain.

Weiterführende Links:
van-Lancker: alte Postkarten, Promotion-Material und Fotogallerien
G.J.Besselink/GJB Fotografie: ausführliche historische Schilderung
Uyttenbroeck: Past and Now
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