Lavoir Triage de Péronnes (Kohlenwäsche von Péronnes)
(Februar + September 2003)

I. Eindruck
Nähert man sich dem Gebäude, kann man den Eindruck bekommen, ein kubisches Borg-Raumschiff sei mitten auf einem wallonischen Acker notgelandet. Hat man erst einmal den Innenraum betreten, stellt sich eher die Frage, ob M.C. Escher auch als Architekt gewirkt hat oder zumindest die Architekten dieses gewaltigen Gebäudes beeinflusst hat. Auf einer Grundfläche von 7500m² erhebt sich ein Koloss, in dessen Betongerüst 1000t Stahl verbaut wurden und dessen 3500m² Fensterfläche einst mit mattiertem Glas versehen waren. Dominieren in den unteren Geschossen noch die zahllosen Stützpfeiler aus Beton, so prägen ab der 6. Etage die kreuz und quer verlaufenden Treppen das labyrinthische Erscheinungsbild. Die 7. Etage mit ihren großen Öffnungen ist die letzte noch so zu bezeichnende Etage, die 8. und 9. Etage bestehen nur noch aus Platformen, die fast unter dem Gewölbedach zu kleben scheinen.
Jede Etage besitzt Durchbrüche zur Aufnahme von Maschinen. Die Öffnungen sind meistens mehrere Meter groß, es gibt aber auch zahlreiche kleine Löcher von manchmal nur 10 cm Durchmesser. In jedem Fall ist ein wacher Blick auf Boden und Decke notwendig - an vielen Stellen ist an den Betondecken bereits das Stahlgitter freigewittert, Geländer geben unter einem kräftigen Ruck nach. Trotzdem ist der Erhaltungszustand der Gebäudesubstanz noch als passabel zu bezeichnen.

II. Funktion
Die von Bergwerken geförderte Steinkohle liegt immer als ein Gemenge verschiedener Komponenten vor. Erst durch mehrere Veredelungsschritte entsteht ein effizient einsetzbares Endprodukt. Einer dieser Veredelungsschritte ist die Kohlenwäsche, bei der Gesteinsbeimengungen und Kohle voneinander getrennt werden. Ziel ist eine möglichst reine Kohle, die dann z.B. von Kokereien abgenommen werden kann.
Wird stückreiche Kohle gefördert, so läßt sich diese durch manuelle / mechanische Verfahren sortieren. Bei steigendem Anteil von Feinkohle ist jedoch eine mechanische Reinigung durch Waschen notwendig. Verschiedene Siebverfahren erbrachten eine Trennung von Stückkohle und Waschgut. Die Reinheit der Kohle war eines der Ziele, ein anderes eine ausreichende Entwässerung, um beim Transport der gewaschenen Kohle keine unnötigen Kosten zu verursachen

In der Nähe des Nebengebäudes befinden sich noch Becken, die möglicherweise der Entwässerung in Schwemmsümpfen oder der Reinigung des verwendeten Wassers dienten. Der Boden rings um die Kohlenwäsche ist unter einer dünnen Grasnarbe schwarz durch den bei den Reinigungsschritten angefallenen Kohlenstaub.

III. Perspektive: Neunutzung oder Abriss?
1954 mit Geldern aus dem Marshall-Plan fertiggestellt, wurde die Kohlenwäsche bereits 1969 wieder stillgelegt. Mit dem Niedergang des Steinkohleabbaus gab es auch für die Kohlenwäsche nichts mehr zu bearbeiten. Seitdem steht das Gebäude leer und ist seit 1994 zu einem Streitpunkt über seine weitere Verwendung geworden. Die Eigentumsverhältnisse waren unklar. Die wallonischen Behörden stellten die Ästhetik des Gebäudes und die Symbolfunktion für eine ganze Epoche heraus - allerdings hätte eine Renovierung rund 12 Mio.€ verschlungen.
Schließlich hat die Stadt Binche das Gebäude für den symbolischen Preis von einem Franc gekauft und 1997 eine Subvention für seinen Abriß beantragt. Dazu wurden im Dezember 2000 vom wallonischen Parlament 2 Mio.€ in Aussicht gestellt.
Im Jahr 2001 vollzog sich dann eine Wende: es wurde dem zuständigen Ministerium vorgeschlagen, die Kohlenwäsche in einer Denkmalschutzliste aufzunehmen. Die Aufnahme in eine solche Liste hätte zu Folge, dass der Eigentümer wieder Gelder bewilligt bekommen würde - dieses Mal aber zur teilweisen Finanzierung der Renovierung. Durch dieses Verfahren wurde der Abriss vorläufig aufgeschoben.
Nun wurden binnen Jahresfrist konkrete Vorschläge zur Finanzierung der Renovierung gefordert. Die Planungen haben sich die Entwicklung im Ruhrgebiet zum Vorbild genommen, die solchen Gebäuden eine kulturelle Neunutzung beschert haben. Zu diesem Zweck soll sich eine Gesellschaft des öffentlichen Rechts aus öffentlichen und privaten Partnern gründen, die die Zukunft der Kohlenwäsche bestimmen soll. Eine Anfrage an das wallonische Parlament zur Bewilligung europäischer Gelder wurde bereits gestellt.

 

Seitenansicht#gallery c2182161-86aa-4652-9ce4-bd156cee5705 Teich an der Vorfahrt#gallery 3e7df0b3-1e74-4065-9f37-aa8652f24631 Spiegelung I#gallery a4d75a2e-0fea-413d-82ac-e2b21180d66c Spiegelung II#gallery 2b8226e1-8925-4e9f-930a-0785872fdd67 Ecke mit Lampe#gallery 5f6c834b-7d1d-4843-a4ae-cb318c3697e6
Auf dem Dach#gallery 6bf43d6c-0e78-4443-a918-490611cd0253 Auf dem Dach#gallery 9d17da14-e909-4cb5-bb1b-9015c2ce7b8e Mauerdurchbruch#gallery 842b6f6c-6111-4263-aeaa-fc1f506e1f4e bröckelnder Beton#gallery a5bf7bf7-0eb0-434c-907e-cf519990779d #gallery eabb065b-60d7-408a-beb4-4543a2ed0e6e
No Future#gallery b04e31b9-74d6-44b6-960b-e268ed17c2d2 Perspektive#gallery 41fe0005-2241-4514-bb9a-b96a5592a01c Säulenflucht#gallery c423eaa6-900a-444e-b810-767487d6e948 Aufstieg#gallery f31fed22-1e1a-4b03-820b-3daec3d39e85 einseitiges Geländer#gallery a98415ad-0f51-4ca4-9723-b52aa68737f9
Treppen#gallery 91d33d36-5b21-4f32-b70b-01a2804e3a56 zwischen 7. und 9.Etage#gallery e7f0d60c-9200-4c41-ae02-6ce61a743537 9.Etage#gallery 957f4b8f-c3b7-43c9-8a8d-5996386abf4c Blick zum Aufzug#gallery 1fa6f069-5dbb-4540-8c9e-1fb5ffa40574 Aufzugtür#gallery fcfa9af8-582c-422f-a74c-cdddacc359da
Setzbecken#gallery a7eb3497-3c85-442d-92d3-0884f9b9f8f8 Blick über ein Setzbecken#gallery 79402028-155d-4d78-94de-1d736bbe56f7 Setzbecken#gallery 11ceaa42-7f22-4d40-9d79-149c6e9f7199 Panorama 7.Etage#gallery b7365e00-8a95-409e-92d1-c7e7205c37e0 Vogelnest#gallery 1794585b-5340-4ef3-a582-953f2a1bc706