Titelbild von Villa Müller

Villa Müller
(Juni 2007 & Oktober 2014)

Fünfzig Meter sind es nur, die den verwilderten Garten von der Geräuschkulisse der Hauptstrasse trennen. Fünfzig Meter, die Welten voneinander trennen. Dort, jenseits des noch immer wehrhaften Zauns die profane Alltagswelt - und hier das grünende Dickicht des von allen Zähmungsmaßnahmen befreiten Garten.
Es ist spät, die Sonne scheint nur noch mit milder Kraft. Ich suche noch nach Spuren des vergangenen Lebens, finde jedoch kaum noch etwas, das über den bröckelnden Bau hinausgeht. Eine Fackelhalterung liegt im Garten und erzeugt die Vorstellung romantischer Abende hinter Haus und Mauern, Bilder aus besseren Tagen.
Heute abend streifen nur ein paar Jungen herum, die eine nächtliche Mutprobe vorbereiten. Schon so kann im Inneren der Ruine jeder Tritt leicht daneben gehen, bei Nacht erfährt ein Besuch ein zusätzliches Risiko. Ohne Lampe schenke ich mir den Weg hinab in den Keller. Eine Puppe soll sich dort befinden, wohl als Abschreckung unerwünschter Besucher von Messen, die dort angeblich abgehalten werden. So jedenfalls wird mir berichtet. Meine Aufnahmen sind im Kasten, die Sonne versinkt. Zeit zu gehen ...
Verwunderlich ist es schon, dieses Gebäude in eher nobler Neusser Umgebung anzutreffen. Die Villa steht schon seit Jahren leer. Zuletzt von einer Witwe bewohnt, fiel sie schließlich den Flammen eines Brandes zum Opfer. Was übrig blieb, war nach Jahren nicht mehr stark genug Orkan "Kyrill" im Frühjahr 2007 zu widerstehen, unter dessen Toben der Rest des Daches zusammenbrach. Über Abriß und Neubau eines Altenheimes wurde debattiert und diskutiert, der aktuelle Stand ist mir nicht bekannt.

Update Oktober 2014: am Vortag der Abrissarbeiten besuche ich noch einmal die alte Ruine - und bin nicht der einzige mit diesem Ansinnen. Portraitfotografen und Familien geben sich die nicht mehr vorhandene Klinke in die Hand. An diesem Sonntag ist dies gewiss kein Platz der Ruhe. Um die Ruine herum wurde kräftig gerodet, seit langer Zeit ist es nun erstmals möglich, den kompletten Bau ohne verdeckende Vegetation zu sehen. Auch im Inneren wurde geräumt, alte heruntergebrochene Tragbalken wurden entfernt, der Keller entrümpelt. Aber so ganz kampflos ergab sich das Haus dann doch nicht seinem Schicksal - am Folgetag brach der Abrissbagger durch die Kellerdecke, wodurch sich die Arbeiten einige Tage verzögerten.
Ansicht von der Straße - Villa Müller (Juni 2007)
Umwucherte Ruine - Villa Müller (Juni 2007)
Rodungs- und Räumarbeiten - Villa Müller (Oktober 2014)
gerodetes Umfeld - Villa Müller (Oktober 2014)
Villa Müller (Oktober 2014)
Eingang zum Eiskeller - Villa Müller (Oktober 2014)
Villa Müller (Oktober 2014)
Villa Müller (Oktober 2014)
Um die Ecke geblickt - Villa Müller (Juni 2007)
Eingangsbereich - Villa Müller (Juni 2007)
Eingangstür - Villa Müller (Juni 2007)
Im früheren Flur - Villa Müller (Juni 2007)
leer geräumt - Villa Müller (Oktober 2014)
Durchblick zum Himmel - Villa Müller (Oktober 2014)
Villa Müller (Oktober 2014)
Eine Tür verbrannt, die andere nicht - Villa Müller (Juni 2007)
Von der anderen Seite betrachtet - Villa Müller (Juni 2007)
Villa Müller (Oktober 2014)
Fenster - Villa Müller (Juni 2007)
Pflanzen halten die alten Holzbohlen - Villa Müller (Juni 2007)
Gartenseite - Villa Müller (Juni 2007)
Gartenseite - Villa Müller (Juni 2007)
Fassade - Villa Müller (Juni 2007)
Fassadendetail - Villa Müller (Oktober 2014)
Rückseite - Villa Müller (Oktober 2014)
Ausgang zum Garten - Villa Müller (Juni 2007)
Ausgang zum Garten - Villa Müller (Juni 2007)
Halterung einer Gartenleuchte - Villa Müller (Juni 2007)
Raum mit Kellereinstieg - Villa Müller (Juni 2007)
Kellereinstieg - Villa Müller (Oktober 2014)
Im Keller - Villa Müller (Oktober 2014)
Kellerfenster - Villa Müller (Oktober 2014)