Château Noisy / Miranda - Gesichter aus Stein
(Oktober 2005 & März 2006)

Unvoreingenommen betrachtet wirkt Château Noisy von außen nicht mehr und nicht weniger wie der Archetypus eines Spukschloßes. Da gibt es Zinnen und Erker, Türme und Türmchen mehr als man zählen kann, dunkle Fensterhöhlen und wasserlose Becken im verwilderten Garten. Es scheint, als könne sich jederzeit etwas hinter den Fenstern bewegen. Doch da ist nichts. Stattdessen aus Stein gemeißelte Gesichter und Figuren, die einen beim Besuch des Schloßes immer wieder einmal entgegenblicken und nicht aus den leblosen Augen entlaßen.
Auch innen bietet sich eine Kulisse, die Grusel und Furcht erzeugen kann. Weniger weil der Keller dunkel ist - so wie das bei Kellern in der Regel der Fall ist - oder giftige Pilzsporen in den Wänden lauern. Nein, es ist mehr der völlig heruntergekommene und zerstörte Zustand der häuslichen Substanz. Die Bohlen im Erdgeschoss schwingen beim Gehen unter den Füßen und schon in der ersten Etage mahnen Löcher im Fußboden zu äußerster Vorsicht. In der dritten Etage schließlich weigere ich mich an einem metergroßen Loch im Holzboden vorbeizugehen, das wegen des kaputten Daches durch Witterungseinflüße entstanden ist. Nein, hier ruft die innere Stimme zur besonnenen Umkehr - wohl wissend, dass andere diesen Abgrund schon bezwungen haben.

Aber auch so hält der Besuch genügend Spannung parat. Als ich gerade den Torbogen verlaßen will, fährt ein Auto vor. Es scheint, als ob der Wagen gerade einmal 10 Meter entfernt hält. Schritte sind zu hören, Arbeitsgeräusche, ein schweres Atmen. Dann wieder Fahrgeräusche, Autotüren, ein lautes und energisches Rufen - dann ist der Wagen wieder weg. "Glück gehabt" denke ich in meinem türlosen Versteck und will es gerade verlaßen, da sehe ich sie: zwei schwarze Hunde , nur einen Steinwurf weit entfernt. Ich ziehe mich zurück und warte ab. Sind das da zu meinen Füßen nicht etwa Hundedecken? Panikgefühl macht sich breit. Was ist, wenn die beiden Hunde dort über Nacht bleiben und mich gleich besuchen? Doch nichts dergleichen passiert. Stattdessen kommt das Auto zurück, fährt wieder weg, kommt, fährt, kommt, fährt. Nach fast 40 Minuten geben mir die Kollegen, die drüben aus dem Hauptgebäude die Szene beobachtet haben, Entwarnung. Es war ein Jäger, der von dort Futter in den Wald gebracht hat und derweil drei (!) Hunde am Château gelaßen hat.
Nach dieser Episode fällt es mir dann doch etwas leichter, das Gelände wieder zu verlaßen. Die dutzenden von Fasanen im Garten mögen es begrüßt haben, konnten sie sich doch nun wieder ungestört der Futtersuche widmen. Später erfahren wir noch von einem Nachbarn, dass im Wald Wildschweinfallen ausgebracht sind, die auch für Menschen gefährlich werden können.

Weiterführende Links:

historische Aufnahmen und Fakten
Luftaufnahme

 

Das Becken im Garten Uhrenturm Dunkelheit naht Terrassenaufgang Verwunschen
Gespenstisch Nebentrakt Torbogen mit Anhänger Jagdbeute Ein Gesicht
Hüter der Treppe Hebel im Keller Das Wasserhahn-Wesen Sieb Treppenhaus
Eingangshalle Gewölbe Fresko Decke Flur, erste Etage
Licht am Ende des Flurs Umfaller leere Schublade Red box Wirtschaftsgebäude
Stalltüre Am Teich