Chateau Noisy / Chateau Miranda
Fotos aus den Jahren 2005 / 2006 / 2012

Oktober 2005:
Unvoreingenommen betrachtet wirkt Chateau Noisy von außen nicht mehr und nicht weniger wie der Archetypus eines Spukschloßes. Da gibt es Zinnen und Erker, Türme und Türmchen mehr als man zählen kann, dunkle Fensterhöhlen und wasserlose Becken im verwilderten Garten. Es scheint, als könne sich jederzeit etwas hinter den Fenstern bewegen. Doch da ist nichts. Stattdessen aus Stein gemeißelte Gesichter und Figuren, die einen beim Besuch des Schloßes immer wieder einmal entgegenblicken und nicht aus den leblosen Augen entlaßen.
Auch innen bietet sich eine Kulisse, die Grusel und Furcht erzeugen kann. Weniger weil der Keller dunkel ist - so wie das bei Kellern in der Regel der Fall ist - oder giftige Pilzsporen in den Wänden lauern. Nein, es ist mehr der völlig heruntergekommene und zerstörte Zustand der häuslichen Substanz. Die Bohlen im Erdgeschoss schwingen beim Gehen unter den Füßen und schon in der ersten Etage mahnen Löcher im Fußboden zu äußerster Vorsicht. In der dritten Etage schließlich weigere ich mich an einem metergroßen Loch im Holzboden vorbeizugehen, das wegen des kaputten Daches durch Witterungseinflüsse entstanden ist. Nein, hier ruft die innere Stimme zur besonnenen Umkehr - wohl wissend, dass andere diesen Abgrund schon bezwungen haben.

Aber auch so hält der Besuch genügend Spannung parat. Als ich gerade den Torbogen verlassen will, fährt ein Auto vor. Es scheint, als ob der Wagen gerade einmal 10 Meter entfernt hält. Schritte sind zu hören, Arbeitsgeräusche, ein schweres Atmen. Dann wieder Fahrgeräusche, Autotüren, ein lautes und energisches Rufen - dann ist der Wagen wieder weg. "Glück gehabt" denke ich in meinem türlosen Versteck und will es gerade verlassen, da sehe ich sie: zwei schwarze Hunde , nur einen Steinwurf weit entfernt. Ich ziehe mich zurück und warte ab. Sind das da zu meinen Füßen nicht etwa Hundedecken? Panikgefühl macht sich breit. Was ist, wenn die beiden Hunde dort über Nacht bleiben und mich gleich besuchen? Doch nichts dergleichen passiert. Stattdessen kommt das Auto zurück, fährt wieder weg, kommt, fährt, kommt, fährt. Nach fast 40 Minuten geben mir die Kollegen, die drüben aus dem Hauptgebäude die Szene beobachtet haben, Entwarnung. Es war ein Jäger, der von dort Futter in den Wald gebracht hat und derweil drei (!) Hunde am Chateau gelassen hat.


Nach dieser Episode fällt es mir dann doch etwas leichter, das Gelände wieder zu verlassen. Die dutzenden von Fasanen im Garten mögen es begrüßt haben, konnten sie sich doch nun wieder ungestört der Futtersuche widmen.

Gut 6 Jahre später ...
Wieder stehe ich vor dem Gebäude - aber dieses Mal sehr entspannt. Ein glücklicher Umstand in Form von Dreharbeiten zu Noisy verhilft mir zu einer regulären Besuchserlaubnis (Mike sei's gedankt!). Bei dieser Gelegenheit lerne ich auch den aktuellen "Ranger" kennen, der für die Sicherheit auf dem Gelände zuständig ist. Ein sehr sympathischer Herr, der einen Einblick auf die Sichtweise und Anforderungen der Besitzer gibt. Trotzdem er alle Zugänge versiegelt hat, dringen immer wieder Urbexer, selbsternannte Geisterjäger oder andere abenteuerlustige Leute ein. Ein Teil davon ist sich nicht zu schade dort zu vandalisieren - die Spuren sind überall zu sehen. Der mittlerweile zum Teil kriminelle Zustand der Böden lässt ständig Unfälle erwarten. Dabei ist es noch nicht einmal die aktuelle Belastung, die den Zusammenbruch erzeugen kann. Der Ranger war einmal zugegen, wie unter großem Getöse ein wassergetränkter Boden zusammenbrach. Solche Gefahrenstellen sind nicht sichtbar und eine tödliche Gefahrenquelle. Daher ist auch zu verstehen, dass man keine große Sympathie für ungebtene Besucher hegt und inzwischen schnell die Polizei zur Unterstützung ruft.
Auch wenn es schwer fällt: jeder, der noch nicht dort war sollte es dabei belassen. Es gibt genügend hervorragende Fotos dieser Location im Netz und vielleicht schon bald einen wunderschönen Film.

Weiterführende Links:

Geschichte von Chateau Noisy
Dubtown - Bilder unseres gemeinsamen Besuchs

 

Das Schloss am See (Januar 2012) Spiegelung (Januar 2012) Zufahrt (Oktober 2005) (Oktober 2005) Südflügel (Oktober 2005)
Verbotsschild von 1991 (Oktober 2005) Blick aus dem Südflügel (Januar 2012) Uhrenturm (Januar 2012) Gartenseite (Oktober 2005) Gartenteich I (Oktober 2005)
Gartenteich II (Oktober 2005) Aufgang im Garten (Oktober 2005) Gartenseite (Oktober 2005) (Oktober 2005) Südseite (März 2006)
Südseite (Januar 2012) Kapelle (Oktober 2005) über der Küche (Januar 2012) Brunnen (Januar 2012) Brunnen-Detail (Januar 2012)
Figur im Treppenhaus (Oktober 2005) Stuckarbeit (Oktober 2005) Deckenschmuck (Oktober 2005) Säulen unter der Treppe (Oktober 2005) Eingangsbereich (Oktober 2005)
Handlauf fast intakt (Oktober 2005) Handlauf zerstört (Januar 2012) Aufgang (Oktober 2005) (Oktober 2005) (Oktober 2005)
(Oktober 2005) 1.Etage (Oktober 2005) Aufgang zum Uhrenturm (Oktober 2005) Erdgeschoss (Oktober 2005) Treppe Südflügel (Oktober 2005)
Treppe Südflügel (Januar 2012) Treppe Südflügel (Januar 2012) Treppe Südflügel (Oktober 2005) Fensterausblick (Oktober 2005) Stuhl im Loch (März 2006)
Leiter im Nordflügel (März 2006) Leiter eingefahren, Loch grösser (Januar 2012) Nordflügel (Januar 2012) Baderaum Nordflügel (Januar 2012) Bodenlos (Januar 2012)
Südflügel (Januar 2012) Erdgeschoss Südflügel (Januar 2012) 1.Etage Südflügel (Januar 2012) Keller (März 2006) Küche (Oktober 2005)
Manometer in der Küche (Oktober 2005) Wasserhahn (März 2006) Schalter im Keller (März 2006) Wandtafel im Keller (März 2006) Stall (Oktober 2005)
Stall (Oktober 2005) Zerstörter Stall (Januar 2012) Unter dem Wehrgang (Januar 2012) Unter dem Wehrgang (März 2006) Im Tor (Oktober 2005)
Tor und Wehrgang (Oktober 2005) Tor zum Wirtschaftsbereich (Oktober 2005) Jagdbeute im Anhänger (Oktober 2005)