Kasteel van ...
(März 2007)

Armut adelt - könnte es in Abwandlung einer bekanten Redensart heißen. Denn das, was ich hier hinter einem rostigen Zaun sehe, hat nicht mehr viel von ehemaligem Glanz und Gloria an sich.
Ich stehe vor einem prächtigen alten neoklassizistischen Chateau, das - würde es in meiner Heimatstadt stehen - sicherlich ein beliebtes Touristenziel wäre. Nur hier kann niemand mehr mit diesem einstmals ansehnlichen Bauwerk besonderen Staat machen. Bei genauerem Hinsehen fallen die Schäden im Dach und am Mauerwerk auf: vom Sims sind Steine herabgestürzt, wie bei offenen Wunden liegt blankes Mauerwerk frei unter abfallendem Putz.
Der neugierige Blick durch die Fenster offenbart dann das ganze Ausmaß von Armut und Hilflosigkeit. Fleckige Wände, verschlissene und kaputte Möbel, dicke Staubschichten unter den Schränken. Und andererseits auch Spuren von Leben: Nachttöpfe hinter einem Paravent im Wohnzimmer, eine beiseite gelegte Fliegenklatsche und Regenschirme im Schirmständer wirken so, als würde hier noch jemand wohnen.

Tatsächlich aber lebte hier schon seit einem dreiviertel Jahr niemand mehr. Ein altes Ehepaar hatte hier in den vergangenen Jahren gelebt. Die Frau verstarb, der Mann muß noch jahrelang - vom Alltag überfordert - allein in seinen von Erinnerugen angefüllten Räumen mehr schlecht als recht gewohnt haben.
Wie anders muß es hier zugegangen sein, als 1763 Mozart eine Nacht in einem der 16 Zimmer verbrachte. Und Puder und Perücken sind es auch, die eher zu diesem Bau paßen als der fahruntüchtge und verostete 2CV, der noch vor der Türe steht.

Seit 1974 steht das aus dem 17. Jahrhudert stammende Kasteel nun unter Denkmalschutz. Geplant ist die Umwandlung zu einem Hotel und Ausstellungshaus.

 

Frontansicht Die Ente fährt nirgends mehr hin ... Ansicht vom Park Rückfront Sonnenuntergang
Monduhr Trophäen Speisezimmer Ein Wohnzimmer Ein anderes Wohnzimmer