Ospedale Psichiatrico Volterra - das Buch des kosmischen Weltraumingenieurs
(März 2008)

Ein Ort mit Geschichte und Geschichten - so stellt sich das schon seit Etruskerzeiten besiedelte Volterra dar. Die Geschichte, die es in jüngerer Zeit bekannt gemacht hat, spielte sich in den Weiten des Kosmos ab und wurde in unendlicher Mühe in den Putz der geschlossenen Abteilung der Pychiatrie von Volterra eingeritzt. Diese ehemalige Klinik ist damit auf Dauer verbunden mit dem Schicksal von Fernando Oreste Nannetti, der sich selbst NANOF, NOF oder NOF4 nannte (ausgehend von seinen rückwärts gelesenen Initalen). Dies Abkürzungen verwendete er in Briefen an eine nicht vorhandene Verwandtschaft außerhalb der Anstalt.

NANOF schuf hier in den Jahren seines Aufenthaltes ein Werk der Art Brut, eine Synthese aus bildender Kunst und Literatur, in dem er sein Buch des Lebens mit einer Gürtelschnalle in den Putz der Aussenfassade kratzte - sein Hauptwerk brachte es dabei auf die imposante Länge von 180 Metern bei einer Höhe von fast zwei Metern (fast 360m²). Später folgte noch ein zweites Werk an einer kleineren Mauer (106m x 20cm).

Ein irres und poetisches Buch entstand hier. Es berichtet von einem Paralleluniversum, in dem NANOF gelegentlich selber auftritt - als kosmischer Bergbauingenieur, Astraloberst oder nuklearer Einbrecher. Es sind Geschichten von telepatischen Verbindungen, Raumflügen, fantastischen Lebewesen, Waffentechnlogie und Alchemie.

Die Psychiatrie von Volterra besaß seinerzeit einen zweifelhaften Ruf - wie so viele andere Psychiatrien in Italien. "Nach Volterra gehen" wurde zum Synonym eines Weges ohne Rückkehr. NANOF selbst sagte einmal, dass 10% der Inassen an den Folgen der Elektroschocktherapie starben, 40% auf Grund von Krankheiten und 50% zu Grunde gingen wegen Hasses und aus Mangel an Liebe und Zuneigung.
Bis zu 6000 Menschen waren hier gleichzeitig untergebracht, 20 Waschbecken und 2 Bäder für jeweils 200 Patienten. Die Hölle auf Erden.
Mit den Reformen von Basaglia wurde 1978 die Schließung der meisten italienischen Psychiatrien eingeleitet, die eher Hochsicherheitstrakten als Kliniken ähnelten.

NANOF - Stationen eines Lebens hinter Gittern:

  • Geboren am 31. Dezember des Jahres 1927, Vater unbekant. Jahre später Aufnahme in eine Schule für geistig Behinderte. Kurze Tätigkeit als Hilfskraft bei der Verlegung elektrischer Leitungen.
  • September 1948: Verurteilung wegen Beamtenbeleidigung und anschließende Inhaftierung
  • 1958 Verlegung von der Psychiatrie Santa Maria della Pietà in Rom nach Volterra, Unterbringung in der geschlossenen Abteilung
  • 1961 Unterbringung in einer offenen Abteilung
  • 1967/68 Rückkehr in die geschlossene Klinik von Volterra
  • 1973 Verlegung in das Krankenhaus von Bianchi

Fernando Oreste Nannetti starb in Freiheit in Volterra am 24. November 1994. Seine Graffities zerbröckeln seither und existieren in vollem Umfang nur noch in den Foto-Datenbanken von Aldo Di Marco und den Österreichern Eder/Wagnest, seine Texte auf Papier wurden verbrannt und sind nur noch als Fotokopien erhalten.

Verarbeitung seiner Inschriften in Medien:

 

Weiterführende Links:

Graffiti NOF - NANOF - NOF4 (Violettanet)
NOF 4 secondo Aldo - Videointerview mit Betreuer
Quaderni d’altri tempi - Speciale
Fotogalerie von Aldo Di Marco - die Graffities von NANOF
Fotoreportage mit Insassen der Klinik

 

Aufgang im Park offener Klinikbereich offener Klinikbereich geschlossene Abteilung Der Innenhof
Im Innenhof Schattenwurf Bank mit Graffities Das Buch von NOF4 Phantasiegeschichten
Symbol oder Spiel? Klassiker mit Faltenwurf getrocknetes Blut Behandlungsstuhl Behandlungsstuhl
wie ein Mischpult ... Programmschluß Abgestellt Blind-Vision
Spiegelung klaustrophobische Treppe Waschbecken auf dem Flur Badewannen-Detail
Das Licht dahinter ... Flur mit Türen leerer Raum I leerer Raum II Blick in die Freiheit