Kasteel van Mesen

(Juni 2004)

Hinter den Mauern und Zäunen eines ausgedehnten Parks liegt inmitten einer kleinen belgischen Stadt ein verwunschenes Schloß. Schon bei der Anfahrt sehen die über die Mauer ragenden Gebäudeteile imposant aus. Aber der Atem bleibt stehen, wenn man erst einmal den Weg durch das Buschwerk gefunden hat und unvermittelt vor der riesigen Außenwand der Schloßkapelle steht, die sich nahezu fensterlos vor einem aufbaut und weit über die Bäume hinweg erhebt.
Stille herrscht an diesem Ort. Es ist aber eine Art von würdevoller Stille, keine , wie sie sonst auf alten Industriebrachen herrscht. Die Gebäude nehmen einen gefangen, es ist schwer zu verstehen, dass ein derart schöner Bau einfach verfällt.
Es regnet. Es schüttet geradezu und hört gar nicht mehr auf. Die offenen Türen laden zum Betreten ein, der Blick nach oben jedoch läßt zögern. Das Dach ist in sich zusammengefallen, hat die dritte Etage wohl gleich mitgerissen. In einigen Bereichen kann man bereits im Erdgeschoss den Himmel durch die Decke sehen. Neben der Kapelle eine Reihe von Toiletten. Hier mag während der Messen ein kommen und gehen derer geherrscht haben, denen die Geduld für lange Predigten und Zeremonien fehlte.
Von außen findet sich ein Zugang zum Keller. Dort unten waren die Wirtschaftsräume untergebracht. Davon zeugen noch ein hundert Jahre alter großer Backofen, Wäschemangeln, Heizkessel und anderes. Ein Verbindungstunnel von der Kellerküche zu einem Nachbargebäude ist zugemauert. Früher wurden hier wohl die Speisen wohlbehalten vor den Unbilden des Wetters nach nebenan getragen. Aber auch so ist der dunkle Keller spannend genug. Seit 30 Jahren hängt in einem Raum noch immer "Wäsche" auf der Trockenleine. Nun fehlen während der Langzeitbelichtungen eigentlich nur noch schlurfig-knirschende Schritte von irgendwoher auf dem Kellerflur und der Grusel wäre perfekt.
Die Nachbargebäude enthalten Klassenzimmer und Stallungen. Auch hier hat der Zahn der Zeit seine Wirkung getan, teilweise ist ein Betreten nicht mehr möglich weil ganz einfach der Boden dazu fehlt.

Historie:
Das Schloß hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Erste Abbildungen datieren von 1628. Es hat ab dem 19. Jahrhundert als Genever-Destillerie, Zucker-Fabrik, Kloster und Internat und Kochschule gedient. Die neugotische Kapelle und die Schulgebäude stammen von 1905.
Ursprünglich blieb das Internat Kindern von höheren militärischen Dienstgraden vorbehalten, nach 1944 hatten aber auch Kinder des normalen Bürgertums die Möglichkeit zur Aufnahme.
Ende der 60'er Jahre wurden die Stiftungsgelder für das Internat gekürzt, kurz danach setzte außerdem eine Schulreform ein. Mit den königlichen Beschlüssen vom 14 Juli 1970 und 20 Juli 1972 wurde das Internat schließlich aufgegeben.

Status im Sommer 2007: nachdem es schon jahrelang Berichte über den drohenden Abriß gegeben hat, scheint sich dieses Vorhaben jetzt zu konkertisieren. Auch der Zugang zum äußeren Park ist nun geschlossen und im September soll der Abriß tatsächlch beginnen.

 

Weiterführende Links:

Initiative für den Erhalt des Theaters
Abandoned places: Mesen (1995+2001)

 

Hauptportal Hauptportal Aussenfront Innenhof
Blick auf den Glockenturm Arkaden Nebengebäude Kapelle Apsis
Intaktes Kirchenfenster Kapelle Kapelle Gang im Erdgeschoss Klassenraum
Parkettschaden Treppe ins Licht Treppe Treppenbewuchs Heizung an der Wand
Heizung Trockenzeit 30 Jahre (a tribute to Henk) Kellerfund: Trappistes Rochefort Torbogen mit wilden Rosen Teich im Schloßgarten