Hotel Heinrich Heine
(Mai 2008)

Der diskrete Muff der 60er Jahre durchweht noch immer das Haus. Äußerlich mit ländlich-provinzieller Attitüde geschlagen, stellen die Eingangs-Drehtür und der dahinter liegende Treppenaufgang schnell kar, dass das Innenleben seinerzeit ein ganz anderes war. In der Dunkelheit der mit Brettern zugenagelten Etage schälen sich erst nach und nach die Einzelheiten heraus: der Schimmel an den Rezeptionsfächern, das alte Telefax-Gerät in einem Technikraum. Ein Büchlein mit Eintragungen vom Beginn der 60er-Jahre gibt Auskunft über den Telefax-Betrieb mit Berlin. Lichtdurchflutete Gesellschafträume schließen sich gleich an - wobei das Licht nicht nur freien Fenstern, sondern auch dem kaputten Dach geschuldet ist.
Die aus dem Bodengrund empor steigende Feuchtigkeit gibt dem Parkettboden eine dritte Dimension - Aufwölbungen mit Würfel- und Fischgrät-Muster durchziehen die Räume. Dort, wo der Belag aus schlichtem PVC besteht, geht man wie auf Luftkissen über morschen Untergrund.
Unvermittelt liegen alte Kassen im Treppenhaus. Ihre Anzeige (die damals noch nicht Display hieß) zeigt noch "Mark und Pfennig" als Währungseinheit. Der Hersteller NRK baute diese Geräte bis 1945 in Berlin, später dann in Augsburg. Diese hier stammt jedoch noch aus Berliner Zeiten ...

Die schwungvollste Zeit erlebte das Hotel wohl zwischen Krieg und Wende. Als Urlaubsdomizil im Sperrgebiet, in dem wegen der Grenznähe zum Klassenfeind nur die besonders verdienten Vertreter der Gesellschaft ihren Urlaub verbringen durften. Zutritt zum Ort war nur Einwohnern und den Hotelgästen gestattet.
Das erste Haus am Platze soll es einmal gewesen sein - damals. Bevor es nach der Wende als Tagungshotel heruntergewirtschaftet wurde und Mitte/Ende der 90er seine Türen schloß. Berühmt war auch sein Nachtclub, der nun im stickig-feuchten Keller von einer zarten weißen Schimmelschicht bedeckt wird. In der Auslage stehen in deutsch-deutscher Einigkeit noch immer der Deutz & Geldermann-Sekt (west, ungeöffnet) und der Rotkäppchen-Sekt (Ost, ausgetrunken) nebeneinander - na dann "Zum Wohle"!

 

Eingangsbereich#gallery 644730eb-d0ee-403a-ae58-dad39eeb303f Ein bißchen "Schwarzwaldklinik"?#gallery d4dac8ec-5d99-4267-8b1c-336bc4161797 Drehtür#gallery 3841c35f-b5c7-42ab-9e4d-871711487026 Empfangsbereich#gallery e180615c-66a3-4b4a-866c-5a3187ee61b1 Empfangsbereich#gallery fd1ad287-a981-44e2-971d-5c331267fa28
Blick zu den Gesellschaftsräumen#gallery 52e3f19b-8b0a-4c92-a120-2c504d4fefe6 Hotelhalle#gallery 61cffe84-4583-446b-bfc8-e396eebc9042 Hotelhalle#gallery e48b5891-21f4-4e69-80d0-28f365279d40 Rezeption mit Schimmel#gallery 8af20943-c1a1-4ad6-9dab-cfae2064125b Parkettschaden#gallery ecfaf54a-6f1e-40dd-80f2-604453315b41
Das Parkett kommt hoch#gallery 7d852f3b-44ea-4a79-9aab-5b13c4f04c79 Leuchter#gallery b3aa8d86-1d27-4967-a746-4389cd0c7c13 Zimmertrakt#gallery 6312811c-0662-4267-8aab-a8cb531045f7 blauer Raum#gallery 251bdd85-dd1d-46a8-a606-bd6a58b2e36c Gardinen machen es erst gemütlich#gallery 08eaad31-f4fe-443f-a965-e3e3381ec655
Sitzgruppe#gallery a14c6e80-34de-4bda-b9fe-42a9d883334e Kissen zum Kuscheln#gallery 9fc6f056-52f1-433f-8359-2c9d3f95412a Lampenschirm#gallery 66f81788-744c-4fc0-9a2d-c2eb228dffaa sauberes Zimmer#gallery e6f44338-924d-482e-befd-164087f299c8 nicht ganz so sauberes Zimmer#gallery fd99be16-d7b3-4d31-a96f-e36f1ae8ffcf
bunte Kissen#gallery a95eb609-ab27-4fa4-9ec2-12f4edfce311 Die Wanne ist leer#gallery 8d2488b0-0fc0-4042-9ce9-a30d0b4c1eae sauberes Glas#gallery 291e4178-40e6-43a0-ac42-16d24ae740bc Notausgang#gallery 40ff67e0-4b90-420b-a31b-b86517d8e69a Leuchte und Glasbruch#gallery 74f8b5cd-1cfc-4676-92c3-30be30086768
Obergeschoss#gallery 48f80fa1-fdeb-4a23-9602-3dd0ae006b3e Treppe und Durchgang#gallery 43d2a54e-dd86-435b-9886-18d419334b4f Mantel#gallery 447b5daf-599e-44d9-bd0d-a434df2dd6ba Zeitanzeige hat Freizeit#gallery fd1c9173-23e1-4ceb-9c7c-730fd07ffc03 Diana reiste schnell wieder ab#gallery b3e0847b-8dfa-45c3-8d01-e56311eb1910
Teddy#gallery b412282a-f6f6-4c54-b024-4394c5cd5249 Kuchenbüfett#gallery 63d539b6-119d-4951-8f80-c34c02f8f3ae Sicherungskasten in der Küche#gallery 73159bd2-c645-4703-9f01-da84366a075c Sektkühler#gallery 2ee61a76-a3b9-4f3c-ad49-913e74b01233 Progress Polygraph#gallery 0697a0a7-2f0e-4e94-9f05-a49175a9516d
Baujahr 1957#gallery d368c73d-ae69-4c98-abf4-ad62322dae65 Registrierkasse, gebaut vor 1945#gallery c1af3bc5-1560-47d7-9a15-54f9178f5692 mit Mark und Pfennig#gallery 59420c55-201c-432b-94c8-c7c454b62a24 Anker-Registrierkasse#gallery cfdb84ea-d3f7-41b0-8759-710b4f290d11 Telefaxraum#gallery cb48f4c7-6068-4fd2-b46f-93dbecae4130
Der Dachsbau - Nachtclub im Keller#gallery 3bfe6273-9c98-43a5-b486-7cf32a3ed152 Sekt aus Ost und West vereint#gallery 8af759cd-39af-4eca-b0ba-e4a99e91d28c