Der Spurensammler
Foto einer alten Zeiss-Ikon-Kamera

Kamerakram


Schon gut, schon gut. Hier kommt die überflüssige Seite mit der Ansammlung von technischem Spielzeug, das im Laufe der Jahre durch meine Hände gewandert ist. Die Seite, die ich bei anderen immer für komplett bescheuert halte und dann doch lese. Manches von diesem Spielzeug habe ich geliebt, anderes verflucht. Wie das eben so geht mit Werkzeug, das eigentlich nur funktionieren soll und doch zu einer Obsession werden kann.
Rückblickend herrscht bei mir eher frustrierende Ernüchterung vor. Negative, die durch die rostige Wasserleitung meines Hauses mit Rostpartikeln gesprenkelt wurden und trotz Netzmittel satte Trockenflecken bekommen haben, widersetzten sich schon damals einer vernünftigen Vergrößerung in der eigenen Dunkelkammer. Heute sind sie zwar dank EBV halbwegs zu retuschieren - Spaß macht das aber trotzdem nicht.
Wie froh war ich dann im Zuge der Digitalisierung zu den "early adaptors" zu gehören und mit einer Kamera jahrelang unbeschwert Digitalfotos zu machen, deren Größe im krassen Gegensatz zu ihrem Preis stand. Fotos, deren Existenz ich mittlerweile bedaure. Hätte ich damals doch bloß noch gewartet und weiter mit Negativmaterial gearbeitet. Die für die damalige Zeit kolossalen 2 Megapixel Auflösung verhindern heute leider eine vernünftige Vergrößerung. Trotzdem steht der Digitalmatsch auf meiner Seite zum anschauen bereit - ich habe da halt leider nichts anderes.
Und dann begann das Wechselspiel der Technik. Hatte ich früher meine Kameras über Jahrzehnte benutzt, stand nun alle paar Jahre ein Wechsel an. Immer hoffe ich mit dem letzten Modell sagen zu können "das war's jetzt aber". Hat aber bisher nicht so ganz funktioniert. Aber jetzt klappt es bestimmt. Bin mir fast sicher ...


Die Werkzeug-Chronologie


  • Juni 1976 bis Juni 1977

    Agfa Optima 5000


    Angefangen hatte es eigentlich mit einer Kodak Instamatic 333, die ich als Kind geschenkt bekam. 126er Kassettenfilm, einige werden sich erinnern. Drauf drücken und fertig. Die zugehörigen Blitzwürfel habe ich noch, die Kamera aber nicht mehr. Irgendwann wollte ich mehr, wie das im Leben nun mal so ist. Toll fand ich damals die Agfa Optima 1035 S, geworden ist es dann aber eine Agfa Optima 5000 "Ritsch-Ratsch-Klick" Pocketkamera. Nun konnte ich endlich die Schärfe selber schätzen und einstellen. Mehr aber auch nicht. Die Abzüge aus dem Großlabor waren i.d.R. fürcherlich, bald hatte ich genug davon.

  • Juni 1977 / August 1979 bis ca. 2001

    Rolleiflex SL 35 ME


    Ich. Will. Alles. Selber. Machen. Und darum betrat ich den Fotoladen mit dem Wunsch eine Fujica ST701 zu erwerben. Heraus gekommen bin ich dann stattdessen mit einer Voigtländer VSL2 automatic, die eine Zeitautomatik und ein Objektivbajonett aufweisen konnte. Hörte sich erst mal gut an, war aber eher Fluch als Segen. Die Kamera zerlegte sich im Halbjahrestakt, nach 2 Jahren hatte der Händler ein Einsehen und tauschte gegen eine (baugleiche) Rolleiflex SL 35 ME. Die ging dann auch schon mal kaputt, aber in größeren zeitlichen Abständen.

  • Dezember 1979 bis Juli 2002

    Rolleiflex SL 35 E


    Schön und zickig. Nach dem Umstieg von der dauerdefekten SL 35 ME (zu der ich von der noch dauerdefekteren Voigtländer VSL-2 gelangt war) war das eine selten defekte Kamera. Ohne Winder sehr kompakt, mit hingegen sehr gut in der Hand liegend. Für die Verwendung verschiedener Filme gleich dreimal angeschafft. Was am Ende eine ziemliche Schlepperei war - aber das sollte noch zu toppen sein.

  • Juni 1982 bis April 2007

    Mamiya M645 J


    Unkaputtbar. Die Kamera um Nägel in die Wand zu kloppen. Fotografieren ging damit auch. Sonst noch Fragen? Leider ohne Wechselmagazin wie es die großen Geschwister von Hasselblad und Rollei hatten - mit dem Ergebnis, dass der ersten Mamiya bald ein zweites Gehäuse folgte. Und Sucher, Motoren, Objektive. Der Fotorucksack wuchs auch und war bald so schwer, dass ich ihn nicht mehr tragen wollte. Da konnte die Qualität der Negative noch so überragend sein, die Materialschlacht war für mich verloren. Schlichtweg verhoben.

  • Juni 1988 bis März 1993

    Minox 35 PL


    Das andere Extrem zu den Mamiyas - eine extrem kleine und kaputtbare Taschenkamera. Ständig gab es Ärger mit Lichteinfall und Elektronikabstürzen. Der gute Ruf, den Minox hatte, konnte ich an dieser Kamera nicht festmachen. Das elegante Produktdesign war kein ausreichender Grund der ansonsten eher unglücklichen Kamera die Treue zu halten. In Japan wurden inzwischen robustere Kameras gebaut und daher ging mein Blick nun in fernöstliche Richtung.

  • März 1993 bis Mai 2001

    Olympus XA


    Die Ablösung der Minox kam durch eine gebrauchte Olympus XA - die funktioniert bis zum heutigen Tag, befindet sich aber nicht mehr in meinem Besitz und daher gibt es auch kein neues Foto von ihr. Unglaublich, dass in diesem kleinen Gehäuse sogar ein Mischbildentfernungsmesser untergebracht werden konte. Die Olympus XA war eine hosentaschentaugliche,robuste, kleine Kamera mit vergleichsweise guter optischer Qualität.

  • Mai 2001 bis ca. 2010

    Canon IXUS 300


    Der Generationswechsel. Teurer als meine erste Mamiya und so klein wie eine Minox. Das sollte die Zukunft sein? Ich wollte es ausprobieren. Hätte ich es doch nur nicht getan...
    Der Spaß des digitalen verführte dazu, die eigentlich besseren Analogkameras nicht mehr zu verwenden. So sitze ich also nun auf einem Berg von Aufnahmen, die mit 2 Megapixel Größe kaum eine Bearbeitung zulassen. Nachdem mir die Kamera geklaut wurde, kam über ebay gebrauchter Ersatz - aber der erzeugte im Weitwinkel halbseitig unscharfe Fotos. Ich habe es leider zu spät gemerkt. Es folgte dann das dritte, ebenfalls gebrauchte Exemplar, irgendwie wollte ich von der Kleinen nicht lassen. Bis es mir nach 4 Jahren gereicht hat.
    Ihr Gnadenbrot hat die IXUS bei mir noch lange als Paddelbegleitung bekommen - gut verpackt in ein buntes Unterwassergehäuse.

  • Juli 2002 bis ca. Mitte 2005

    Rolleiflex SL 3003


    Insgesamt 4 Auslöser (links, rechts, oben, unten), ein eingebauter und zwei externe Wechselsucher sowie Wechselmagazine. Da kann man sich manchmal gar nicht entscheiden. Die Traumkamera meiner Jugend und irgendwann wurde der Traum erfüllbar. Ich mag sie noch immer - auch wenn die Elektronik in der Luftfeuchte der Mergelgrotten den Totalausfall probte. Unter Normalumständen eine exzellente Kamera - nur bitte nicht zu hart rannehmen. Kein Wunder, dass sich Rollei damit im Profi-Bereich nicht etablieren konnte und die Kleinbildserie in Schönheit sterben ließ. Und ich stand da mit meinen Objektiven und der allergeringsten Lust auf einen Systemwechsel.

  • 2004 bis ca. 2010

    Voigtländer Bessa-L


    Mit meinen Rollei-Objektiven war bei 21mm Schluß mit Weitwinkel. Es gab zwar noch eine passende Zeiss-Linse - die aber nur gebraucht und zu astronomischen Preisen. Wie soll ich da meinen Horizont erweitern? Die Lösung nahte in Form der Bessa-L, damals beworben mit "sie kaufen das Objektiv und erhalten die Kamera gratis dazu". Jawoll, das ist doch mal eine Ansage. Gekauft, geknipst, gestaunt. Und manchmal etwas daneben gezielt wegen des fehlenden Parallaxausgleichs.

  • April 2005 bis März 2010

    Lumix DMC-LC1


    Die IXUS war zwar eine nette Taschenknipse, aber nun sollte etwas ernsthaftes her und so rückte die Lumix LC1 in mein Blickfeld. Aufgebaut wie eine klassische Sucherkamera und preislich deutlich oberhalb gängiger DSLRs. Ob das was taugen kann? Und ob! Keine andere mir bekannte Digitalkamera hatte so ein umwerfendes Bedienkonzept wie die LC1 (abgesehen von der baugleichen Leica Digilux 2). Mehr als 10 Jahre später träume ich noch immer von der idealen Kamera - die so ähnlich wäre wie diese. Mit größerem Sensor und Wechselobjektiven. Einige Kandidaten sind nahe dran, aber eben nur nahe. Die LC1 hatte ein fest eingebautes lichtstarkes Leica-Objektiv mit vorzüglichen Eigenschaften, einen großzügigen Pixelpitch und war grundsolide gebaut. Einzige Nachteile: der EVF war noch ziemlich pixelig und der Brennweitenbereich irgendwann nicht ausreichend. Behoben habe ich das dann mit einer kiloschweren Vorsatzlinse, deren Verzeichnung nicht automatisch zu korrigieren war und die die Kamera höchst unhandlich machte. Ohne diese Linse ist die LC1 noch immer toll für Straßenfotografie und ähnliches, aber sonst mit ihren 5 Megapixeln leider ein wenig aus der Zeit gefallen

  • seit April 2007

    Mamiya 645 AFD


    Nach dem Spielzeug nun der Sprung in die Königsklasse - digitales Mittelformat. Ein klassischer Fehlkauf. Der 2,5 kg Brocken hat nicht nur mir jahrelang Ärger gemacht, inzwischen sind die Ursachen bekannt und daher umgehbar.
    Eine zusätzliche Sucherkorrekturlinse verschuf mir die Möglichkeit, auch ohne Brille durch die Kamera sehen zu können. Allerdings gelingt dann die Scharfeinstellung mit dem Digitalrückteil nicht mehr, die Schärfenebene stimmt nicht überein. Nun stelle ich wieder ohne Korrekturlinse ein oder überlasse es dem AF - so funktioniert es besser.
    Original-Akkus für das ZD-Back werden schon seit Jahren nicht mehr hergestellt. Geringe Restbestände sind entsprechend alt und kosten pro Stück ein kleines Vermögen. Zum Glück hat Minolta die gleichen Akkus verwendet und so gibt es noch preiswerten und neuen Ersatz mit anderem Label.
    Der mit dem ZD-Back mitgelieferte RAW-Konverter war lange Zeit der einzige, der mit den Mamiya MEF-Dateien umgehen konnte. Inzwischen beherrschen auch andere das Format und bringen weitaus schärfere Ergebnisse. Mein aktueller Favorit ist in dieser Hinsicht RAW Therapee.
    Keine Lösung gibt es hingegen für das Gewicht - die Wahl heißt entweder Rollwägelchen oder Rücken kaputt. Beides nicht optimal für Urbex-Touren.

  • September 2008 bis ca. 2010

    Ricoh R8


    Unlustig geworden mir ständig die Mamiya um den Hals zu hängen und mittlerweile nicht mehr zufrieden gestellt von der Bildqualität der kleinen IXUS, sollte etwas neues für die Hosentasche her. Eher zufällig bin ich bei Ricoh gelandet, einer Firma, der ich zuvor eher skeptisch gegenüber stand. Aber dann hat sich die R8 doch recht lange als Taschenknipse bewährt - bis mir das Rauschen, die JPG-Artefakte und der Farbstich auf die Nerven gingen. Bis dahin war sie aber gut für Probeaufnahmen, wenn ich nicht gleich die dicke Mamiya auspacken wollte.

  • März 2010 bis Februar 2017

    Lumix GF1


    Die Lösung - endlich. Ich wollte etwas kleines und leichtes. Etwas, das ich manuell bedienen kann und bei Bedarf auch automatisch. Etwas, an das ich erst mal meine guten Zeiss-Linsen schrauben konnte um mir einen vollständigen Systemwechsel zu ersparen. Und dann kam sie: spiegellos, klein genug für die Jackentasche und gut. Der klappbare EVF ermöglichte Aufnahmen aus ungewöhnlichen Perspektiven, die Verabeitung der Kamera war hochwertig. Ich war erst mal wieder am Ziel. Damit ich an staubigen Orten keine Objektive wechseln musste, gab's noch ein zweites gebrauchtes Gehäuse hinterher. Panasonic verließ danach mit den GF-Folgemodellen den Pfad der Tugend und wandte sich mehr den Durchschnittsknipsern zu, bis man mit der GX-Reihe wieder auf die Spur kam. So blieben die GF1 fast 7 Jahre bei mir im Einsatz.

  • Januar 2014 bis Mitte 2018

    Lumix G6


    Eigentlich hatte ich von einer Olympus M1 geträumt, aber die war mir dann doch zu teuer. Die G6 gab es zum Schnäppchenpreis, also habe ich zugeschlagen. Ein Plastikbomber, der weit mehr Funktionen besitzt als man normalerweise braucht. Somit eine typische Allround-Kamera für Urlaub und Familie mit exzellentem Preis-Leistungs-Verhältnis. Aber zu klein für meine Hände. Ständig löste mein Handballen unabsichtlich die WiFi-Funktion aus. Ziemlich blöd, wenn man gerade eine Aufnahme machen will und die Kamera sich erst mal mit dem nicht dazu geschalteten Smartphone verbinden will. Bewegte Motive warten leider keine 30 Sekunden. Also habe ich die betreffenden Knöpfe deaktiviert. Richtig gut liegt sie trotzdem nicht in der Hand und hat nur deshalb eine Existenzberechtigung, weil ich sie noch für mein Weitwinkel brauche. Wieso? Siehe nächste Kamera ...

  • seit August 2015

    Olympus OM-D E-M1 Mark I


    Endlich hat es doch noch zu meiner Traumkamera gereicht. Was soll ich sagen? Mit Batteriegriff das Beste, was ich in der Hand hatte (leckeres Joghurt-Eis zählt hier nicht). Manchmal vergesse ich, was ich auf welchen Funktionsknopf programmiert habe, aber das ist nicht die Schuld der M1. Toller Sucher, für Makros kommt ein externer EVF oben drauf, der noch ein bisschen mehr zeigt. Eigentlich die Kamera um wunschlos glücklich zu sein. Wenn da nicht das Problem mit den Lensflares wäre. Panasonic Lumix und Olympus setzen auf verschiedene Verfahren zur UV-Elimination. Bei den Lumixen reichen die Linsen das volle Spektrum durch und das System vertraut auf einen Filter vor dem Sensor, Olympus dagegen setzt auf die Objektivbeschichtung. Kurz: mein Lumix-Weitwinkelzoom funktioniert bestens an meinen Lumix-Kameras, erzeugt aber violette Lensflares an Olympus-Modellen. Mist.

  • seit Februar 2017

    Olympus PEN-F


    Oder die neue Leichtigkeit des Seins. Mein Ersatz für die kleinen GF1-Modelle und damit die Kamera zum "Immer-dabei-haben". Bestückt mit Pancake-Linsen erlebe ich wieder eine unbeschwerte Art des Fotografierens, wie es damals mit meiner ersten Digitalkamera war. Dazu Design und Haptik wie aus den 60er Jahren. Ergonomisch nicht perfekt, nichts für Aktionen, bei denen man die Kamera lange Zeit halten müßte. Aber ich hab' mit der hübschen Kleinen Spaß wie Bolle.

  • seit Februar 2019

    Olympus E-PL8


    Kleiner ist feiner. Für die Hosentasche reicht es zwar nicht, aber doch für die Jackentasche. Die Produktion ist längst eingestellt, die letzten Restposten wurden abverkauft und da mochte ich nicht "Nein" sagen. Das Nachfolgemodell ist zu sehr Chichi, die PL8 geht gerade noch und bietet Platz für einen Aufstecksucher. Vom Charakter her trotzdem eine "Knipse", alles andere wird sich zeigen.

Quelle: www.lipinski.de/spurensammler/kameras.php
Abgerufen: 17.10.2019 - 08:48 Uhr
Autor: Klaus Lipinski, Düsseldorf
Email: info(at)lipinski.de
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