Die Forts um Lüttich

Eiskalt bläst der Wind an einem Januarmorgen über die Anhöhen Belgiens. Der Himmel ist grau und wolkenverhangen und die Hände finden immer wieder den Weg in die Jackentaschen, um nicht durch die Kälte steif zu werden. Wir sind unterwegs, um uns Relikte des Krieges anzusehen. Überbleibsel eines Wahnsinns, der hier vor Jahrzehnten durch Europa tobte. Ich dachte eigentlich, hier dem Grauen näher kommen zu können, von dem ich immer wieder gelesen habe. Doch selbst beim begehen der alten Bunkeranlagen bleiben mir die Geschehnisse von damals merkwürdig fremd und distanziert. Ich hatte eigentlich mit etwas anderem gerechnet. Woran liegt das nur?
Vielleicht daran, dass hier nichts mehr bestehen blieb, das von der Persönlichkeit der Menschen zeugt. Eine bronzene Gedenktafel an der Wand wirkt anders als die privaten Hinterlaßenschaften eines Menschen. Aber Militär und Privatleben waren und sind nun einmal zwei Antipoden - und daher mag die Unpersönlichkeit der Umgebung gleichzeitig auch ein Spiegel der Unpersönlichkeit des Krieges sein. Auch wenn es eigentlich nichts persönlicheres gibt als den Wert des eigenen Lebens und des Todes.
Eindringlicher war da die Begehung eines kilometerlangen Verbindungstunnels unter Fort Eben-Emael. Ein Weg in das Dunkel des Berges, vorbei an einem Autowrack und rostigen Fässern. Herabgebrochener Kalkstein markiert den Weg. Gut zu wissen, dass es noch einen Weg nach draussen gibt.

Rings um Lüttich existieren noch zahlreiche alte Befestigungsanlagen. Lüttich war lange Zeit Festungsstadt mit zwei Festungen auf den gegenüberliegenden Maasufern. Eine davon - La Chartreuse - ist heute noch in Teilen erhalten, muß aber einer Neubebauung weichen. Daneben gibt es einen inneren Festungsring aus der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts und einen äußeren - etwa 20 km von Lüttich entfernt, der nach den Erfahrungen des 1. Weltkrieges angelegt wurde.
Zum inneren Ring zählt Fort Battice, das von einer privaten Organisation restauriert wird, die uns auch den Zutritt zu der sonst gesperrten Anlage ermöglichte.
Zum äußeren Ring gehört auch die größte Festung Europas - das Fort Eben Emael, das heute ein touristischer Anziehungspunkt ist. Der doppelröhrige Tunnel gehört nicht zu den offiziellen Anlagen dieses Forts.

Weiterführende Links:

Festungsring um Lüttich
Fort Battice
Fort Eben-Emael

 

Tunnel unter Fort Eben Emael (Okt. 2006)#gallery b36b9a5e-1b22-416e-8a3a-454f2623ed09 Tunnel unter Fort Eben Emael (Okt. 2006)#gallery 64234f64-fe9e-4ca9-8602-bcd7266d54e4 Fort Embourg (Jan. 2006)#gallery 099bb1b0-4fe2-471b-bec3-1da39b246650 Fort Embourg (Jan. 2006)#gallery cadf88d3-baba-4f3e-8c0b-774fbc12f757 Fort Battice (Jan. 2006)#gallery 9800a69b-5ada-41b2-a924-e2c52f02565e
Fort Battice (Jan. 2006)#gallery 8ee33393-2ff3-4365-a830-da6339b9dd6a Fort Battice (Jan. 2006)#gallery 2c8fd39e-2d70-4b0b-bd6a-d704e99ff777 Fort Battice (Jan. 2006)#gallery f17552e4-14b6-4ceb-a68b-e0389db77c0a Fort Battice (Jan. 2006)#gallery 915dffae-18c0-4127-8759-364b675b7598 Fort Tancremont (Feb. 2003)#gallery c1a31fbc-f4c4-4b55-b17d-d0fc83eb2690