Manicomio provinciale di Cogoleto
(März 2008)

Die Heimat des Wahnsinns ist schön gelegen. Hügel, Wald und Meer bestimmen den Ausblick. Aber welche Sehnsüchte erzeugt solch ein Ausblick, wenn dazwischen Wärter, massive Gitterstäbe und eine hohe Mauer stehen?
Schon an der Eingangspforte sind Patienten der Psychiatrie zu sehen - die harmloseren Fälle, wie vermutet werden darf. Denn noch immer ist die Klinik in Betrieb, auf dem weitläufigen Gelände stehen verlassene Gebäude neben solchen, die noch genutzt werden. Gelegentlich streift ein Patient im Bademantel vorbei, Autos huschen die Klinikstrassen entlang, der Müllwagen durchschneidet geräuschvoll die Kulisse der Stille.
Nur zwei der alten Pavillons werden heute von Daniel und mir besucht. Der Unrat der bröckelnden Bausubstanz ist mit Sicherheit nichts gegen das, was hier früher anzutreffen war. Der Gestank der viel zu wenigen Toiletten, die nächtliche Geräuschkulisse in den großen Schlafsälen. Ich frage mich, ob die ebenfalls in den Pavillons untergebrachten Pflegekräfte damals ruhig haben schlafen können ...

Zwischen den Jahren 1908 und 1933 entstanden hier 40 größere und kleinere Gebäude, darunter Verwaltungsbauten, zwei Küchen, Anatomie, Apotheke und auch eine Kirche. Das parkähnliche Gelände wird von breiten Straßen durchzogen und vermittelt den Eindruck einer kleinen Stadt.
Die Isolation und Abgeschiedenheit ermöglichte trotz der musterhaften Anlage eine fast unmenschliche Unterbringung und Behandlung: die jährliche Sterberate lag bei 10%, das Durchschnittsalter der Patienten bei nur 47 Jahren. Bei mehr als 2000 Patienten müssen ca. 60 von ihnen pro Pavillon untergebracht worden sein.
Die Gesetze von Basaglia reformierten 1978 die italienischen Psychiatrien. Cogoleto leerte sich daraufhin, die offizielle Schließung war am 18. Juli 1998. Aber auch 10 Jahre später sind dort noch immer Patienten.
2011 sollten hier in einem olympischen Dorf die Sportler der Jugendolympiade in Genua untergebracht werden - die Spiele finden aber nun in Tschechien statt.

Weiterführende Links:
Emblema
Scrittura Scomposta
Entwurf zur Umgestaltung
archivierter Artikel bei La Republica
Fotos von Drugo
Fotos von Fabio Palli

 

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Rollstuhl I#gallery e364dc8f-51ec-4720-9483-03881061c487 Rollstuhl II#gallery 381ca0b0-28c1-44c5-80be-7d800eb89c09 Spiegelung#gallery 0f20f3bd-0eac-44c2-ae71-e7687ac424cb Doppel-Bad statt Doppelbett#gallery 14a5ebee-d6e7-4ae9-ba73-c995b70805b3 Es wächst herein#gallery b972f97e-a469-4bc4-9092-3c10e2a80342
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